Diese unglaubliche Geschichte ereignete sich Sommer 2010 in einem Krankenhaus in Münster. Vorweg: Die Geschichte wurde von Freunden erlebt, daher bitte keine Baby-Glückwünsche.
Nach einer Geburt sind die Eltern meistens kaputt, erleichtert und glücklich zugleich und möchten die schönen Momente mit dem kleinen Baby in Ruhe genießen. Aber leider werden die Neueltern recht schnell aus den Träumen in die Realität entführt, da auch Pflichten zu erfüllen sind. Zum Beispiel gibt es die Pflicht das Neugeborene innerhalb von drei Tagen beim Amt offiziell anzumelden. Und genau dieser Zwang wird anscheinend schamlos ausgenutzt. Allen Eltern wird nach der Geburt freudig mitgeteilt, dass sie ihr Baby direkt im Krankenhaus ganz bequem und stressfrei anmelden können und somit nicht extra in die Stadt zum Amt müssen. Hört sich ja eigentlich toll an, geht schnell, ist einfach, kein Aufwand, ganz unbürokratisch, so kennt man unser Land eigentlich nicht. Da ist doch bestimmt ein Haken.
Mit der gesamten Euphorie der Geburt noch in den Knochen und der Freude nicht in die Stadt zu müssen ging es also zum Anmeldeschalter im Krankenhaus. Dort bekommt man zügig ein Formular ausgehändigt, indem viele Fragen von den Eltern zu beantworteten sind (Personendaten, Beruf, Wohnort, Adresse, …) Halt alles was der Staat so wissen möchte. Alleine das ist schon zu hinterfragen, aber die Daten bekommt ja nur der Staat, denkt man. Auf Nachfrage, ob das Kind nun jetzt angemeldet wäre, sagte die Frau am Schalter, ja das Formular kann gegen eine Gebühr von 16 € von ihr direkt zum Amt gefaxt werden. ÄH was, bin ich hier im falschen Film? Ich bin doch hier, um das Kind anzumelden und nichts anderes. Was habe ich denn gerade gemacht? Wem habe ich denn meine Daten gegeben? Versuchen wir nicht gerade unsere Daten vor Google und anderen Datenhaien zu verstecken? Und der Daten-Nobody Krankenhaus luchst mir direkt nach der Geburt sensible und persönliche Daten ab? Was macht das Krankenhaus eigentlich mit den Daten? Bekommt das Baby ab sofort bedarfsbedingte Werbung oder Spam? Eine Rentenversicherungsnummer ist mittlerweile vorhanden, ja dann kann ja auch eingezahlt werden.
Also, wenn das Krankenhaus höflich und direkt fragen würde, wäre das ja eine ehrliche und korrekte Sache. Jedoch vorzugaukeln, dass man das Kind dort offiziell anmelden kann und dafür nur “mal eben” ein Formular ausfüllen muss und später erfährt, dass dieses Formular nur gegen eine Gebühr von 16 € an das Amt gefaxt werden kann, ist eine betrügerische Frechheit. Natürlich bekommt man dieses ausgefüllte Formular nicht zurück, es wird fein säuberlich im Krankenhausordner abgeheftet. Ich glaube, alle Jungeltern sind in dieser Situation völlig überfordert und bemerken diesen heimtückischen Diebstahl der Daten erst gar nicht oder wissen nicht wie sie sich verhalten sollen.
Hier wird ein amtlicher Verwaltungsakt vorgegaukelt, der angeblich total bequem und stressfrei abläuft. Aber nur auf Anfrage, der amtlichen Anmeldung wird angeboten gegen eine Bezahlung ein Fax zu verschicken. Das aber die Daten auch im Krankenhaus verbleiben und was mit den Daten geschieht wird nicht weiter erläutert. Ja schade, da versucht man alle Daten vor diversen Datenkraken zu verheimlichen, aber die wirkliche Datenkrake Krankenhaus bemerkt keiner. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was die so alles mit den Krankenaktendaten und Krankheitsbildern machen. Not macht ja bekannterweise erfinderisch und nach jahrelangen Sparmaßnahmen der Kommunen im Krankenhauswesen müssen halt neue Geldquellen herangezogen werden. Diese Tendenz wäre aber eine schlechte für unsere allgemeine Datensicherheit.

12. Juli 2010 um 10:32 Uhr
Krasse Geschichte…ich weiss gar nicht wie das bei meinen Kids war…ist schon ein Zeitchen her.