Die Bahn steckt mal wieder tief in der Imagekrise. Die Klimaanlagen sind bei extremen Temperaturen überfordert, in insgesamt 48 Zügen gab es Probleme. Viele Politiker aller Parteien stürzen sich nun auf den Konzern und verlangen Konsequenzen. Dabei ist die Regierung doch mitverantwortlich für den harten Sparkurs, denn der Staat ist doch der Eigentümer und entscheidet somit mit. Daher finde ich die harte Kritik der Politik heuchlerisch, denn die waren es doch, die unsere Bahn fit für den Börsengang machen wollen und somit anscheinend auch an so wichtigen Dingen wie Klimaanlagen sparen. Im Sparpaket der Bundesregierung steht, dass die Bahn nun jedes Jahr 500 Millionen Euro Dividende an den Staat zahlen soll, um den maroden Haushalt zu sanieren. Zusätzlich sollte man wissen, dass die Bahn 5 Milliarden Euro Schulden hat und gerade den britischen Konkurrenten Arriva übernommen hat. Ich denke das Geld sollte besser in neue Züge, Ausstattung und Technik investiert werden. Wenn ich dann aktuell hören muss, die Bundesregierung möchte eine zusätzliche Flugsteuer einführen, um die ökologischen Transportmittel wie die Bahn zu fördern, muss ich lachen. Solange so krasse Pannen immer wieder passieren, ist die Bahn nicht das Transportmittel Nummer 1. Auch zu hinterfragen ist, warum die Züge nicht sofort anhielten, um die Passagiere herauszulassen, damit die Menschen nicht wahnsinnige Temperaturen von 60 Grad aushalten mussten. Da gibt es wohl auch noch Abstimmungsprobleme im Konzern.
Die PR Strategie der Bahn war ebenfalls sehr abenteuerlich. Seit Freitag vergangener Woche sei bei 5500 Fernzugfahrten in 48 Fällen die Klimaanlage ausgefallen, somit sind das ja nur Einzelfälle. Ja, aber hier geht es doch um Menschenleben, Einzelfälle hin oder her. Interessant ist außerdem, dass die Bahn keinen blassen Schimmer hat warum es vor allem in ICE-2-Zügen passierte. Klar ist, dass die Klimaanlagen in den ICE-1- und ICE-2 Zügen nur bis max. 32 Grad einwandfrei laufen, danach kühlen sie nicht mehr richtig. Okay, 32 Grad ist schon warm, aber wegen der oft zitierten Klimaerwärmung reicht 32 Grad einfach nicht aus.
Ein Grund könnte sein, dass der Bau der ICE-Züge und damit die Vorgaben aus den achtziger und neunziger Jahren total überholt sind. Damals konnte man doch nicht mit einer so heftigen Hitzewelle rechnen wurde als Begründung genannt. Mittlerweile sind die Vorgaben für Klimaanlagen angepasst worden, allerdings nur für Gebäude, nicht für Züge. Die Bahn weist die Vorwürfe schlechter Wartung klar zurück. Die Wartung sei “gemäß dem geltenden Regelwerk und den Empfehlungen der Hersteller durchgeführt worden”, teilt die Bahn mit.
Fallen nur mir die unverkennbaren Parallelen zur Finanzkrise auf? Sprüche wie: “Konnte doch keiner ahnen”, “Alles innerhalb des Regelwerkes” konnte man auch damals hören, aber dass die Vorschriften anscheinend nicht ausreichend sind und nicht den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden, das scheint auch in diesem Fall keiner begriffen zu haben. Und wählen wir aus diesem Grund nicht alle 4 Jahre Menschen, die sich stellvertretend für uns alle unter anderem darum kümmern sollen? Ach ja, die kümmern sich ja erstmal darum, dass die Hoteliers nur 7 Prozent MwSt zahlen müssen, um dann 7 Monate später zu merken, dass dem Staat dadurch vielleicht doch zu viel Geld flöten geht und es doch nicht so eine gute Idee war. Am Ende ist der Bürger als Steuerzahler immer der Dumme, der durch solche Ereignisse geschädigt werden kann und alles auch noch bezahlen darf. Daher ist der Staat ganz klar Schuld, in diesem Fall sogar doppelt: als Eigentümer immer mehr Geld aus dem Unternehmen quetschen (Thema Heuschrecken) und somit die Sicherheit der Menschen aufs Spiel setzen und als Gesetzgeber, der voreingenommene Vorgaben zu seinem Gunsten erlässt. Ich denke ja eh, dass die Vereinigung von beiden Tätigkeiten zu großen Interessenskonflikten führt und deshalb nicht von einer juristischen Person ausgeführt werden sollte. Das gleiche gilt für mich in Italien, wie kann jemand Ministerpräsident werden, der einen nicht unerheblichen Anteil der Medien kontrolliert und somit sich selber in der Öffentlichkeit gezielt täuschen kann.
Da möchte ich nochmals auf die Flugsteuer zurück kommen. Man möchte umweltfreundliche Transportmittel fördern, indem man andere teurer macht. Nur irgendwie komisch, dass der Bund auch an zusätzlichen Einnahmen der Bahn interessiert sein muss, da er Eigentümer ist und eine Dividende abschöpfen möchte. Wenn die Lufthansa noch in Staatsbesitz wäre würden wir wahrscheinlich keine Flugsteuer erleben.
Darf ein solcher Interessenkonflikt überhaupt weiterbestehen oder gar erst entstehen?
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