Die Kirche und ihre geheimen Konten

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Neben den abscheulichen Taten der Kirchenvertreter gibt es wohl noch weitere Vergehen der Kirchendiener. Mehrere Finanzaffären erschüttern die Kirche zur Zeit. Auch in Münster flogen einige Schwarzkonten eines leitenden Geistlichen auf.

Während in ganz Deutschland Stellen und Mittel für die Gemeindearbeit gestrichen werden, investieren die Bischöfe anscheinend ungebremst in eigene große Projekte. Als Beispiel ist hier das Bistum Trier zu nennen, in dem mal eben 120.000 Euro zur Renovierung der Mariensäule ausgeben wird. Gleichzeitig wird bei den christlichen Jugendverbänden und Begegnungsstätten radikal gestrichen und gekürzt. Außerdem sollen mehrere Einrichtungen gleich ganz gestrichen werden, z.B. Fachstellen in der Erwachsenenbildung, die Katholische Akademie Trier und diverse Katholische Hochschulgemeinden. Hier fallen deshalb öfters Wörter wie Missmanagement oder Veruntreuung und bringen die Gläubigen immer mehr gegen die Obrigkeit auf. (Warum habe ich das Beispiel Trier gewählt, nun ja ich habe dort zwei Jahre meines Lebens studiert). Und mal im Ernst, es gibt immer weniger Menschen, die sich in der Kirche engagieren und den christlichen Glauben aktiv leben. Wenn nun radikal gestrichen wird, wird das Nachwuchsproblem wohl nicht gelöst, sondern eher vergrößert. Besonders, wenn bekannt wird, dass Geld da ist nur eben nicht für den “Pöbel” ausgegeben werden soll.

In der aktuellen Situation müssen wir alle sparen, die Bundesregierung hat beschlossen, dass alle zur Haushaltskonsolidierung beitragen müssen, egal ob es sich um Arbeitslose, Familien, Kommunen, Unternehmen oder die Bundeswehr handelt. Aber sind das wirklich alle? Nein, die Kirche bleibt außen vor, denn was Jahrhunderte gewachsen ist sollte nicht geändert werden, ist der inoffizielle Standpunkt. Außerdem ist von der Kirche immer zu hören, dass sie arm sei. Aber stimmt das so auch? Laut dem Berliner Politikwissenschaftler Carsten Frerck ist das eine Lüge, da die Kirche den Reichtum nur versteckt und das über Jahrhunderte angehäufte Vermögen gestreut anlegt. Nur der aus Kirchensteuer finanzierte Haushalt ist öffentlich, das andere Vermögen bleibt im Dunkeln. Die Kirche legt ihr Vermögen z.B. in kirchlichen Banken, Aktien, Immobilien, Brauereien, Medienkonzernen oder Kliniken an. Manchmal werden auch Gelder in Stiftungen ausgegliedert. Diese Einnahmen fließen beim Bischof direkt zusammen und nur er und seine engsten Vertrauten kennen diesen Schattenhaushalt. Dabei wird das Geflecht auch intern so kompliziert gestrickt, dass sogar die Finanzdezernenten der Bistümer untereinander nicht darüber Bescheid wissen.

Aber der wirkliche Skandal ist, dass die Kirche nicht verpflichtet ist dem Finanzamt Rechenschaft über die Finanzen abzugeben. Ja, was geht denn da ab. Wir vom normalen Volk werden nunmehr bis nach Lichtenstein oder in die Schweiz verfolgt und hart für illegale  Gelder und Stiftungen bestraft. Aber die Kirche darf ganz legal Gelder anlegen und muss nicht mal Rechenschaft abgeben geschweige denn Steuern zahlen. Dabei kassiert die Kirche doch neben Steuergeldern (Kirchensteuer ca. 10 Milliarden € pro Jahr) auch Subventionen. Z.B. wird die Entlohnung des Kardinals immerhin ca. 11.300 € pro Monat aufgrund eines jahrhundertealten Abkommens vom Staat an das Bistum überwiesen. Im Endeffekt wanderten im Jahr 2000 ungefähr 17 Milliarden € als direkte und indirekte Subventionen vom Staat an die Kirche. Mit diesen Geldern werden z.B. Unterhalt und Renovierungen von kirchlichen Gebäuden bezahlt, die Personalkosten für den Religionsunterricht und Messwein bestellt. Besonders skurril  ist die jährliche Holzlieferung einiger süddeutscher Kommunen an den Bischof. Auch hier beruhen die Ansprüche teils aus zweihundertjähriger Vergangenheit. Auch stellt die Kirche harte Bedingungen an die Kommunen, wenn z.B. kirchliche Kindergärten und Horten renoviert werden sollen. Klar, der Glaube soll verbreitet werden, aber dafür zahlen wäre ja auch ein wenig zuviel verlangt. Nach diesen Fakten bin ich von der Kirche sehr enttäuscht. Ich rede hier von legalen Vorgängen, die keiner hinterfragt oder nachprüft. Klar, veruntreuen Kirchendiener illegal Spenden und bereichern sich, aber dieser wäre nicht so spektakulär und einmalig, wenn die Kirche es denjenigen nicht so einfach machen würde.  Durch sehr undurchsichtige und verschachtelte Finanzen, die keiner wirklich genau kennt, ist es immer wieder einfach, dort Gelder ohne Kenntnis anderer zu entfernen.

Ich finde diese Haltung der Kirche skandalös! Aber noch skandalöser ist für mich die Haltung der Bundesregierung, denn warum werden teils Jahrhunderte alte Abmachungen nicht hinterfragt. In einer solchen schweren Zeit wie jetzt müssen alle kürzer treten, auch die Kirche. Hier geht es auch nicht um Peanuts, denn bei  Milliarden Subventionszahlungen muss auch hier hinterfragt werden. Aber mit einer Christlich Demokratischen Union an der Spitze unseres Landes wird sich daran wahrscheinlich so bald nichts ändern. Aber vielleicht haben wir ja bald wieder eine Chance, den Fehler vom letzten September wieder gut zu machen. Die Bundespräsidentenwahl hat signalisiert, dass sich nicht alle in den Regierungsparteien einig sind.

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