Neulich bei Gericht

3 Jahre alt von in angeprangert Tags: , , , , ,

Nach dem Tod muss die ganze Familie zum Amts­gericht, hört sich erst mal unglaublich an ist aber defacto so. Ein entfer­nter Verwandter von mir ist gestorben. Da die direkten Verwandten das Erbe (an dieser Stelle möchte ich anmerken, dass auch ein nega­tives Erbe möglich ist) ausgeschlagen haben, werden alle Verwandten nach und nach angeschrieben und müssen inner­halb einer Frist von einem Monat beim Amts­gericht erscheinen, um das Erbe anzunehmen oder abzulehnen. Somit beseht also der Zwang sich dort zu melden. Die Frech­heit ist aber, dass dieser Akt der Beurkun­dung 20 Euro Gebühren kostet. Wir haben im Vorfeld heraus­ge­funden, dass es immer 20 Euro kostet egal mit wie vielen Personen man dort erscheint. Somit habe ich einen gemein­samen Termin mit meiner Mutter und meinem Cousin ausgemacht.

Die erste Hürde eines Amts­gerichtes ist ja schon der Eingang – Schleuse mit Metallde­tektor. Als ich brav in der Schleuse wartete, konnte es ein Recht­san­walt auf der anderen Seite (beim Ausgang) wohl nicht mehr erwarten und drückte alle Schalter wild durch. Natür­lich war dann auch der Alarm-Knopf dabei. Wodurch sich mein Aufen­thalt in der Schleuse um einige Minuten verzögerte. Dann aber schnell zum Büro für Erban­gele­gen­heiten. Dort wurden unsere Daten aufgenommen und uns mitgeteilt, dass die Akte gerade nicht im Haus sei. Wo ich mich dann direkt gefragt habe, hat die Akte gerade Urlaub oder was? Wir wurden schriftlich hierhin bestellt und dann fehlt das Lebense­lexier eines guten Gerichts­beamten, naja egal wir durften „netter­weise“ trotzdem dableiben und die Erbauss­chla­gung abgeben könnten. Nach ca. 5 Minuten waren diese unwichtigen Details also geklärt, als es dann zum Eingemachten übergehen sollte. Als es nur hieß, “und jetzt bitte zur Recht­spflegerin”. Wir also wieder raus und zum näch­sten Raum marschiert. Oh man, was für ein kunden­fre­undlicher Prozess. Aber Moment mal, gilt man bei Gericht als Kunde?

Wir machten uns also auf den Weg zum näch­sten Büro. Zum Glück mussten wir nicht warten und kamen auch hier sofort dran. Auch hier mussten wir wieder unsere Ausweise vorlegen und unsere Daten wurden nochmals in irgendwelche Daten­banken eingegeben. Da fragt man sich natür­lich: Warum zuerst in das andere Büro? Aber egal. Die leicht überforderte Frau hatte auch überhaupt keinen Überblick wer, wie im Verhältnis zum Toten steht. Daher wurde ein Papier heraus­ge­holt und sie bat uns einen Stamm­baum aufzuze­ichnen. Das muss man sich mal vorstellen, da bekommt man einen Brief vom Amts­gericht und die haben keinen Plan wer, wie im Verhältnis steht; Haupt­sache wir tanzen erst mal alle schön an. Diese Bitte habe ich nett, aber sehr bestimmt abgelehnt, ich mache doch nicht deren Job. Sollen die doch noch Jahre forschen, wer zu uns gehört und wer nicht. Nach weit­eren 10 Minuten stand der Istzu­s­tand fest und es konnte zum Eigentlichen überge­gangen werden: Die Auss­chla­gung des Erbes. Meinem Cousin wurde mitgeteilt, dass er für seine minder­jährigen Kinder nicht alleine das Erbe auss­chlagen kann, weil auch die Mutter das Sorg­erecht besitzt, denn (und jetzt kommt der wichtigste Satz des Tages) “hier werden wichtige Urkunden erstellt, da muss man persön­lich erscheinen!!” Ja auch minder­jährige Kinder müssen durch ihre Eltern das Erbe auss­chlagen, aber das beide Erziehungs­berechtigten erscheinen müssen ist schon sehr klein­lich und total unnötig, denn er hatte sogar eine Voll­macht dabei, aber Leute was soll ich sagen, hier werden ja richtige Urkunden erstellt! Sie bot an, dass die Mutter einfach die Tage nochmal reinkommen kann. Gut, dass hier­durch zusät­zlicher Aufwand entsteht, ist denen absolut egal. Aber freudig teilte sie uns mit, dass für Minder­jährige keine Gebühren (in Höhe von 20 Euro) anfallen. Na dann ist ja alles im Butter.

Es war soweit, nach dem ganzen Klein­Klein kamen wir nun zum Höhep­unkt. Die Recht­spflegerin hat ein Protokoll verfasst und alle Daten notiert. Als sie die fertigen Papiere nach weit­eren 10 Minuten fertig hatte, fielen mir recht viele Rechtschreibfehler in unseren Namen und Adressen auf. Dies teilte ich mit und bekam eine abwink­ende Hand­be­we­gung mit den Worten: “Das ist nicht so wichtig” zur Antwort. Das war für mich der „Point of no Return„, denn erst hieß es, alle müssen persön­lich erscheinen, da hier wichtige Urkunden ange­fer­tigt würden und dann waren Schreib­weisen von Namen und Adressen plöt­zlich völlig Maku­latur? Ich verstand die Welt nicht mehr, unter­schrieb aber die Papiere trotzdem, da sie anbot die Angaben nochmal einzugeben. Und das würde ja meinen Besuch nur verlägern, also schnell den Otto runter­setzen und raus da, war meine Überlegung. Mittler­weile waren ca. 40 Minuten vergangen. Alles wurde in doppelter Ausfer­ti­gung zusam­menge­tackert.

Nun kam der letzte Akt: Die Gericht­skasse. Wir bekamen einen Sticker auf die Papiere und mussten damit „zur Kasse“. Dort 20 Euro abge­drückt und mit den bezahlten Papieren wieder zur Recht­spflegerin. Abgeben und fertig. Ich frage mich allen Ernstes, wie machen das Menschen, die noch nicht mal genug Geld zum Leben haben, die können sich doch nicht mal ebenso erlauben 20 Euro für eine solche Erbauss­chla­gung zu vergeuden. Aber man muss ja dorthin, sonst gibt es Ärger. Ob man wohl in Zwang­shaft genommen wird, wenn man sich nicht meldet? Egal, nach einer knappen Stunde konnten wir endlich die Schleuse wieder verlassen und die Frei­heit genießen. Um diese Erfahrung reicher kann ich sagen, braucht kein Mensch.

 

CEO & Founder (elschundfink), Blogger, Beobachter der digitalen Medienszene, Apfelfreund & Androidnutzer. Du findest mich auch auf Google+