Polizeikontrolle mal ganz anders

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Da fährt man an einem Montag Morgen noch schnell zu Training, um für die Woche fit zu sein und dann so etwas. Kurz vor meinem Fitnessstudio wurde ich von ABM Polizisten ange­halten. Zu recht fragt ihr euch jetzt, was zeichnet einen solchen Polizisten aus? Ich möchte es euch erklären. Sie sind in Zivil unter­wegs, fahren noch den alten Opel Omega (eigentlich sind die durch die Abwrack­prämie alle verschrottet worden, aber die Zivilpolizei fährt die Dinger noch, also Achtung) und kontrol­lieren die Rahmen­num­mern der Fahrräder. Der Auslöser dieses Beitrages war, dass ich heute zum dritten Mal inner­halb eines Jahres von denen kontrol­liert wurde. Bei brand­neuen super­teuren Fahrrädern hätte ich ja noch Verständnis, aber meine alte, verrostete Möhre?!

Hier ein Bild:

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Meine beiden ersten Begeg­nungen spielten sich nach dem gleichen Muster auf dem Lidl Park­platz nahe des Bahn­hofes ab (übrigens auch nach dem Training). Immer die gleiche Taktik: leises Anschle­ichen von hinten und dann die Polizeikelle direkt ins Gesicht. Meine Beze­ich­nung entstand, da mich bei meinen ersten Begeg­nungen drei Beamte in Zivil kontrol­liert haben. Keine normale Streife ist zu dritt unter­wegs, aber die gefährliche Suche nach Fahrrad­dieben erfordert wohl drei Beamte (frage mich, wer das so anordnet). Der Lang­haarige (seines Zeichens Fahrrad­checker) stellte mein Fahrrad direkt mal auf den Kopf (Sattel), obwohl die Rahmen­nummer viel besser in der normalen Lage zu lesen ist. Das ist genau der Typ Mensch, der auch das Essen vor dem Probieren salzt und pfef­fert. Aber er war der Checker also war ich still. Er bemerkte, dass mein Fahrradtyp hier in Münster eher selten ist, wo ich das denn her habe? Ich sagte für 20 € käuflich erworben. OH, da wurden sie aber plöt­zlich alle hell­hörig und witterten einen Treffer, denn so günstig konnte doch kein legales Fahrrad sein. Leider wurde nicht nachge­fragt, woher ich das Fahrrad habe und ob es überhaupt aus Münster stammt. Denn dann hätten sie erfahren, dass ich es von meinem Onkel bekommen habe, der nicht in Münster lebt. Aber diese Frage hätte mich ja unin­ter­es­sant gemacht und entlastet. Wenn inves­tiga­tive Fragen gestellt werden, müssen auch alle Dimen­sionen abgedeckt werden, sonst entstehen falsche Verdachtsmo­mente. Außerdem wurde ich nicht belehrt, dass ich nur zu meiner Person Angaben machen muss. Die Polizisten wurden nervös, weil meine Rahmen­nummer verkratzt ist, denn das machen ja nur Menschen, die etwas verheim­lichen wollen. Das dieses Fahrrad alt und verrostet ist, spielte in deren Kopfkino keine Rolle. Ich fasse kurz zusammen: trotz Checker wurde die Rahmen­nummer nicht sofort gefunden, Fragen wurden nur halb­herzig gestellt, Beschuldigugnen standen im Raum, drei Beamte anwe­send. Der kleine korpu­lente Polizist (ich frage mich immer warum gibt es eigentlich sportliche Einstel­lung­stests bei der Polizei, wenn die eh nach der Einstel­lung dick werden) hatte nun die Aufgabe meine Rahmen­nummer zu notieren und am Telefon abzufragen. Bei der ganzen Maßnahme stand eine weitere Polizistin einfach nur rum und hatte keine Aufgabe. Als die Abfrage negativ war, waren alle sehr enttäuscht und mussten mich fahren lassen. Lächer­lich war, dass sie vorgaukelten weg zu fahren und in Wirk­lichkeit nur einmal um den Block fuhren und wieder zurück zum Lidl Park­platz kamen. Ob das ein ökolo­gis­cher Umgang mit unseren endlichen Ressourcen ist?

Aber nun zur heutigen Kontrolle. Der kleine korpu­len­tere Polizist hat es wohl nicht aus dem Teufel­skreis­lauf geschafft, denn er war heute wieder dabei. Ich habe alle Verkehrsregeln beachtet und stand an einer Ampel einer durchaus befahrenen Kreuzung. Da wurde die mir bekannte Kelle ihr ahnt es schon aus einem uralten Opel Omega geschwenkt. Man möge denken, dass die Polizisten ordentlich parken, denn hier ist ja keine Gefahr in Verzug. Aber weit gefehlt, die parkten doch glatt auf einem der beiden Fahrstreifen und behin­derten so den gesamten Verkehr, um meine Rost­laube zu überprüfen. Als beide neben mir standen, hatte keiner der beiden einen Stift zur Hand, um die Rahmen­nummer zu notieren: sehr profes­sionell. Nach einer halben Minute wurde dann ein Kugelschreiber im Auto gefunden und ich zeigte dem Kleinen die Rahmen­nummer. Durch meine zahlre­ichen Kontrollen, wusste ich wo zu suchen ist. Das wurde natür­lich wieder als verdächtig eingestuft, denn normaler­weise, weiß kaum jemand den Ort seiner Nummer. Auch meine Erklärung, der zahlre­ichen Kontrollen wurde galant überhört, denn ich hatte mich ja mal wieder “verdächtig” gemacht. Diesmal wurden die total überflüs­sigen Fragen auch nicht gestellt. Lern­fähig oder einfach keinen Bock? Man weiß es nicht. Am Schluss der Kontrolle noch eine entschei­dende Szene. Da kam doch tatsäch­lich eine Fahrrad­fahrerin auf der falschen Seite auf dem Bürg­er­steig fahrend uns  entgegen. Man möge in der Fahrrad­stadt Münster nun denken, dass dies sofort geah­ndet wird. Denkste, nicht von den ABM Polizisten, die jagen nur nach Rahmen­num­mern, den Rest muss die “normale” Polizei erledigen. Verab­schiedet wurde ich übrigens mit einem  rosaroten “Tschüss­chen”. Hätte ich nicht den Dien­stausweis gesehen, hätte man späten­stens jetzt glauben können, dass es sich um “versteckte Kamera” handelte. Aber leider nein. Was mich auch mal inter­essieren würde, was passiert eigentlich mit meinen Daten (Name, Geburt­st­datum, Geburt­sort, Rahmen­nummer), die auf dem Polizei Block notiert wurden? Wird eine Kontrol­lier­tendatei angelegt? Jeden­falls wurden meine Daten nicht in meinem Dasein vernichtet.

- UPDATE 24.11.10 - Morgens halb zehn in Deutsch­land, ich auf dem Weg zum Training und plöt­zlich sah ich wieder eine hektisch geschwun­gene Polizeikelle. Ich wurde mal wieder Opfer der ABM Polizisten. Diesmal wurde wieder zu dritt kontrol­liert, zwei Frauen und ein Mann. Als ich meine Rahmen­nummer diesmal auswendig aufsagte waren die Polizisten etwas irri­tiert. Ich dachte nur, okay, jetzt habe ich mich mal wieder verdächtig gemacht. Sie wollten mir nicht glauben, dass ich jetzt zum vierten Mal inner­halb eines Jahres und zum zweiten Mal im November ange­halten wurde. Diesmal waren mir alle drei Polizisten gänzlich unbekannt, das war ein neues Gefühl für mich. Als ich ihnen aber vom kleinen Dicken erzählte, der mich schon dreimal auf dem Kieker hatte, klin­gelte es wohl bei den Frauen, aber der Mann wiegelte sofort ab. Bloß keine Infor­ma­tionen an fremde Verdächte weit­ergeben. Der Mann hatte übrigens heute die wahnsinnig wichtige Aufgabe des Nicht­stuns übernommen. Er stand im wahrsten Sinne des Wortes nur rum. Seinen Dien­stausweis hat er mir übrigens auch nicht gezeigt. Ist das nicht Pflicht, wenn man als Beamter in Zivil unter­wegs ist? Man möge ja eigentlich denken, dass hier die “Creme de la Creme” der  polize­ich­lichen Fahrrad­checker am Start ist, jedoch musste ich beobachten, dass eine der Frauen meinen Fahrrad­ständer mit der Hand ausklappte und dabei auf der anderen Seite des Fahrrades stand. Sah schon komisch aus, aber helfen konnte ich nicht, denn eine behördliche Maßnahme darf man nicht unter­brechen. Während die Abfrage lief, konnte ich mir diesmal die Frage nicht verkneifen, warum eigentlich ich immer der Dumme bin, der ange­halten wird, obwohl noch 4 weitere Kandi­daten in meiner Nähe waren? Und die inter­es­sante Aussage war, dass mein Fahrrad kein festes Hinter­rad­schloss hat. HÄ, mein Fahrrad soll ein solches fest am Rad instal­liertes Schloss gehabt haben, sicher ist das aber nicht, denn Beweise fehlen und ich habe es ohne bekommen. Als ich erwiderte, dass mein Fahrrad aber schon sehr alt und verrostet sei, kam nur die lapi­dare Antwort, dass man das ja so nicht direkt sehen konnte. Hmm, Brille? Quin­tes­senz: Ich werde wegen schlechter Beobach­tung, fehlender Sehhilfen und falschen Vermu­tungen immer und immer wieder kontrol­liert. Aber ich passe halt so schön in das vorge­fer­tigte “Kontroll­muster”. Apropos Muster, nach der Erfahrung von 4 Kontrollen und Gesprächen mit anderen Münster­anern muss ich fest­stellen, dass die ABM Polizisten wohl nur morgens unter­wegs sind, liegt ja auch so schön in der normalen Arbeit­szeit. Meine berechtigte Frage nun, werden so nicht immer wieder die selben Personen kontrol­liert? Wenn ich mich so ansehe würde ich das bejahen. Ob dieses Polizeimuster nicht auch schon in der Szene bekannt ist?
Ich würde gerne mal die Statistik sehen, wie oft diese Gruppe überhaupt Diebe überführt und welche Kosten der Steuerzahler dafür tragen muss. Und die Frage der Fragen, warum wird hier zu dritt kontrol­liert? Die werde ich dann beim näch­sten Mal stellen. Dürfte ja nicht lange dauern.

Mein Fazit: Steuergeld verschwendet, Umwelt verschmutzt, Verkehr behin­dert, Daten­schutz bleibt unklar und wirk­liche Ordnungswidrigkeit nicht geah­ndet. Die Polizei dein Freund und Helfer: Stan­dort Münster.

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