Polizeikontrolle mal ganz anders

7 Jahre alt von in angeprangert Tags: , , , , , ,

Da fährt man an einem Montag Morgen noch schnell zu Training, um für die Woche fit zu sein und dann so etwas. Kurz vor meinem Fitnessstudio wurde ich von ABM Polizisten angehalten. Zu recht fragt ihr euch jetzt, was zeichnet einen solchen Polizisten aus? Ich möchte es euch erklären. Sie sind in Zivil unterwegs, fahren noch den alten Opel Omega (eigentlich sind die durch die Abwrackprämie alle verschrottet worden, aber die Zivilpolizei fährt die Dinger noch, also Achtung) und kontrollieren die Rahmennummern der Fahrräder. Der Auslöser dieses Beitrages war, dass ich heute zum dritten Mal innerhalb eines Jahres von denen kontrolliert wurde. Bei brandneuen superteuren Fahrrädern hätte ich ja noch Verständnis, aber meine alte, verrostete Möhre?!

Hier ein Bild:

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Meine beiden ersten Begegnungen spielten sich nach dem gleichen Muster auf dem Lidl Parkplatz nahe des Bahnhofes ab (übrigens auch nach dem Training). Immer die gleiche Taktik: leises Anschleichen von hinten und dann die Polizeikelle direkt ins Gesicht. Meine Bezeichnung entstand, da mich bei meinen ersten Begegnungen drei Beamte in Zivil kontrolliert haben. Keine normale Streife ist zu dritt unterwegs, aber die gefährliche Suche nach Fahrraddieben erfordert wohl drei Beamte (frage mich, wer das so anordnet). Der Langhaarige (seines Zeichens Fahrradchecker) stellte mein Fahrrad direkt mal auf den Kopf (Sattel), obwohl die Rahmennummer viel besser in der normalen Lage zu lesen ist. Das ist genau der Typ Mensch, der auch das Essen vor dem Probieren salzt und pfeffert. Aber er war der Checker also war ich still. Er bemerkte, dass mein Fahrradtyp hier in Münster eher selten ist, wo ich das denn her habe? Ich sagte für 20 € käuflich erworben. OH, da wurden sie aber plötzlich alle hellhörig und witterten einen Treffer, denn so günstig konnte doch kein legales Fahrrad sein. Leider wurde nicht nachgefragt, woher ich das Fahrrad habe und ob es überhaupt aus Münster stammt. Denn dann hätten sie erfahren, dass ich es von meinem Onkel bekommen habe, der nicht in Münster lebt. Aber diese Frage hätte mich ja uninteressant gemacht und entlastet. Wenn investigative Fragen gestellt werden, müssen auch alle Dimensionen abgedeckt werden, sonst entstehen falsche Verdachtsmomente. Außerdem wurde ich nicht belehrt, dass ich nur zu meiner Person Angaben machen muss. Die Polizisten wurden nervös, weil meine Rahmennummer verkratzt ist, denn das machen ja nur Menschen, die etwas verheimlichen wollen. Das dieses Fahrrad alt und verrostet ist, spielte in deren Kopfkino keine Rolle. Ich fasse kurz zusammen: trotz Checker wurde die Rahmennummer nicht sofort gefunden, Fragen wurden nur halbherzig gestellt, Beschuldigugnen standen im Raum, drei Beamte anwesend. Der kleine korpulente Polizist (ich frage mich immer warum gibt es eigentlich sportliche Einstellungstests bei der Polizei, wenn die eh nach der Einstellung dick werden) hatte nun die Aufgabe meine Rahmennummer zu notieren und am Telefon abzufragen. Bei der ganzen Maßnahme stand eine weitere Polizistin einfach nur rum und hatte keine Aufgabe. Als die Abfrage negativ war, waren alle sehr enttäuscht und mussten mich fahren lassen. Lächerlich war, dass sie vorgaukelten weg zu fahren und in Wirklichkeit nur einmal um den Block fuhren und wieder zurück zum Lidl Parkplatz kamen. Ob das ein ökologischer Umgang mit unseren endlichen Ressourcen ist?

Aber nun zur heutigen Kontrolle. Der kleine korpulentere Polizist hat es wohl nicht aus dem Teufelskreislauf geschafft, denn er war heute wieder dabei. Ich habe alle Verkehrsregeln beachtet und stand an einer Ampel einer durchaus befahrenen Kreuzung. Da wurde die mir bekannte Kelle ihr ahnt es schon aus einem uralten Opel Omega geschwenkt. Man möge denken, dass die Polizisten ordentlich parken, denn hier ist ja keine Gefahr in Verzug. Aber weit gefehlt, die parkten doch glatt auf einem der beiden Fahrstreifen und behinderten so den gesamten Verkehr, um meine Rostlaube zu überprüfen. Als beide neben mir standen, hatte keiner der beiden einen Stift zur Hand, um die Rahmennummer zu notieren: sehr professionell. Nach einer halben Minute wurde dann ein Kugelschreiber im Auto gefunden und ich zeigte dem Kleinen die Rahmennummer. Durch meine zahlreichen Kontrollen, wusste ich wo zu suchen ist. Das wurde natürlich wieder als verdächtig eingestuft, denn normalerweise, weiß kaum jemand den Ort seiner Nummer. Auch meine Erklärung, der zahlreichen Kontrollen wurde galant überhört, denn ich hatte mich ja mal wieder „verdächtig“ gemacht. Diesmal wurden die total überflüssigen Fragen auch nicht gestellt. Lernfähig oder einfach keinen Bock? Man weiß es nicht. Am Schluss der Kontrolle noch eine entscheidende Szene. Da kam doch tatsächlich eine Fahrradfahrerin auf der falschen Seite auf dem Bürgersteig fahrend uns  entgegen. Man möge in der Fahrradstadt Münster nun denken, dass dies sofort geahndet wird. Denkste, nicht von den ABM Polizisten, die jagen nur nach Rahmennummern, den Rest muss die „normale“ Polizei erledigen. Verabschiedet wurde ich übrigens mit einem  rosaroten „Tschüsschen“. Hätte ich nicht den Dienstausweis gesehen, hätte man spätenstens jetzt glauben können, dass es sich um „versteckte Kamera“ handelte. Aber leider nein. Was mich auch mal interessieren würde, was passiert eigentlich mit meinen Daten (Name, Geburtstdatum, Geburtsort, Rahmennummer), die auf dem Polizei Block notiert wurden? Wird eine Kontrolliertendatei angelegt? Jedenfalls wurden meine Daten nicht in meinem Dasein vernichtet.

– UPDATE 24.11.10 – Morgens halb zehn in Deutschland, ich auf dem Weg zum Training und plötzlich sah ich wieder eine hektisch geschwungene Polizeikelle. Ich wurde mal wieder Opfer der ABM Polizisten. Diesmal wurde wieder zu dritt kontrolliert, zwei Frauen und ein Mann. Als ich meine Rahmennummer diesmal auswendig aufsagte waren die Polizisten etwas irritiert. Ich dachte nur, okay, jetzt habe ich mich mal wieder verdächtig gemacht. Sie wollten mir nicht glauben, dass ich jetzt zum vierten Mal innerhalb eines Jahres und zum zweiten Mal im November angehalten wurde. Diesmal waren mir alle drei Polizisten gänzlich unbekannt, das war ein neues Gefühl für mich. Als ich ihnen aber vom kleinen Dicken erzählte, der mich schon dreimal auf dem Kieker hatte, klingelte es wohl bei den Frauen, aber der Mann wiegelte sofort ab. Bloß keine Informationen an fremde Verdächte weitergeben. Der Mann hatte übrigens heute die wahnsinnig wichtige Aufgabe des Nichtstuns übernommen. Er stand im wahrsten Sinne des Wortes nur rum. Seinen Dienstausweis hat er mir übrigens auch nicht gezeigt. Ist das nicht Pflicht, wenn man als Beamter in Zivil unterwegs ist? Man möge ja eigentlich denken, dass hier die „Creme de la Creme“ der  polizeichlichen Fahrradchecker am Start ist, jedoch musste ich beobachten, dass eine der Frauen meinen Fahrradständer mit der Hand ausklappte und dabei auf der anderen Seite des Fahrrades stand. Sah schon komisch aus, aber helfen konnte ich nicht, denn eine behördliche Maßnahme darf man nicht unterbrechen. Während die Abfrage lief, konnte ich mir diesmal die Frage nicht verkneifen, warum eigentlich ich immer der Dumme bin, der angehalten wird, obwohl noch 4 weitere Kandidaten in meiner Nähe waren? Und die interessante Aussage war, dass mein Fahrrad kein festes Hinterradschloss hat. HÄ, mein Fahrrad soll ein solches fest am Rad installiertes Schloss gehabt haben, sicher ist das aber nicht, denn Beweise fehlen und ich habe es ohne bekommen. Als ich erwiderte, dass mein Fahrrad aber schon sehr alt und verrostet sei, kam nur die lapidare Antwort, dass man das ja so nicht direkt sehen konnte. Hmm, Brille? Quintessenz: Ich werde wegen schlechter Beobachtung, fehlender Sehhilfen und falschen Vermutungen immer und immer wieder kontrolliert. Aber ich passe halt so schön in das vorgefertigte „Kontrollmuster“. Apropos Muster, nach der Erfahrung von 4 Kontrollen und Gesprächen mit anderen Münsteranern muss ich feststellen, dass die ABM Polizisten wohl nur morgens unterwegs sind, liegt ja auch so schön in der normalen Arbeitszeit. Meine berechtigte Frage nun, werden so nicht immer wieder die selben Personen kontrolliert? Wenn ich mich so ansehe würde ich das bejahen. Ob dieses Polizeimuster nicht auch schon in der Szene bekannt ist?
Ich würde gerne mal die Statistik sehen, wie oft diese Gruppe überhaupt Diebe überführt und welche Kosten der Steuerzahler dafür tragen muss. Und die Frage der Fragen, warum wird hier zu dritt kontrolliert? Die werde ich dann beim nächsten Mal stellen. Dürfte ja nicht lange dauern.

Mein Fazit: Steuergeld verschwendet, Umwelt verschmutzt, Verkehr behindert, Datenschutz bleibt unklar und wirkliche Ordnungswidrigkeit nicht geahndet. Die Polizei dein Freund und Helfer: Standort Münster.

CEO & Founder (elschundfink), Blogger, Beobachter der digitalen Medienszene, Apfelfreund & Androidnutzer. Du findest mich auch auf Google+