iPad – Was geht da eigentlich ab?

7 Jahre alt von in Apple Tags: , , , ,

Ja, was war das denn wieder mal für ein großartig inszenierter Apple Produkt-Launch? Ich bin immer wieder beeindruckt, wie Apple es schafft ein Produkt mit so viel Tam Tam auf dem Markt zu bringen, das eigentlich keiner braucht. Mal ehrlich, es soll die Lücke zwischen Notebook und Smartphone schließen, doch besteht dort überhaupt eine Lücke? Manche reden sogar von einem Computerersatz, aber dummerweise wird zwingend einen Computer für die Synchronisation benötigt. Aber mal ganz langsam…

Dass Apple immer (okay, wie wir am iPhone-Prototypen sehen konnten fast immer) alles im Griff hat, zeigte sich auch heute morgen, als alle iPad verkaufenden Shops nicht vor 8 Uhr öffnen durften. Daher kamen viele Menschen schon ganz schon früh zu den Apple Stores nach München / Frankfurt oder Hamburg. Manche wollten einfach nur dabei sein, denn bei Apple wird ein Produktstart richtig gefeiert. So etwas kennen wir in Deutschland eigentlich nicht, oder? Die meisten waren aber dann doch dort, um wirklich ein iPad zu kaufen. Und das ist schon erstaunlich, denn ich frage mich was bringt mir das Gerät neben meinem iPhone, Macbook und iMac? Wie man sieht, besitze ich schon so einige Mac-Produkte, die ich auch liebe. Aber das iPad?

Das 9,7-Zoll-Display funktioniert wie beim iPhone kapazitiv und reagiert auf Multi-Touch-Gesten. Als Prozessor wird der von Apple eigens konstruierte und von Samsung hergestellte ARM-Prozessor Apple A4 mit einer Taktfrequenz von 1 GHz verbaut. Das Gerät wird in den Versionen mit 16, 32 oder 64 GB Flash-Speicher angeboten. Zur Basisausstattung gehören 802.11n-WLAN sowie Bluetooth 2.1. Als mobile Netzwerktechniken sind gegen Aufpreis UMTS/HSDPA und GSM/EDGE eingebaut. Diese Geräte enthalten dann auch eine A-GPS-Funktion und lassen sich nur mit den oft diskutierten und in Deutschland noch überhaupt nicht verbreiteten SIM-Karten des Formats „micro-SIM“ betreiben. Die Laufzeit des fest eingebauten Akkus wird mit bis zu zehn Stunden (was in diversen Tests auch erreicht wurde) und die Standby-Zeit mit mehreren Wochen angegeben, die Lebenszeit soll rund fünf Jahre betragen. Dieser kann gegen eine Gebühr von ca. 100 Euro dann bei Apple später getauscht werden. Das Gerät hat einen Beschleunigungssensor, über den Anwendungen gesteuert werden können und der den Bildschirminhalt an die Lage des Geräts anpasst. Der Bildschirm ist hintergrundbeleuchtet, wobei die Helligkeit über einen Umgebungslichtsensor an die umgebenden Lichtverhältnisse angepasst wird. Weiterhin hat das iPad einen Kopfhöreranschluss und besitzt integrierte Lautsprecher sowie ein Mikrofon. Das Mikrofon wird oft vergessen, da Apple das Sprachmemo-App nicht vorinstalliert hat. Das iPad verfügt über den 30-poligen Apple Dock-Connector. Mittels Adapter können zusätzlich USB-, SD-Card- und eine VGA-Schnittstelle zur Verfügung gestellt werden. Leider können keine externe Festplatten angeschlossen werden, wie Tests zeigten. Außerdem funktioniert die Kommunikation leider nur in eine Richtung. Daher können keine Fotos vom iPad auf eine SD-Card überspielt werden.Die Produktion der einzelnen Hardwarekomponenten übernimmt das taiwanische Unternehmen Foxconn. Und hier haben wir ja in den letzten Tagen viele schlimme Nachrichten hören müssen, erst gestern hat sich wieder ein Arbeiter das Leben genommen. Hier stellt sich die Frage nach den Arbeitsbedingungen. Als erste Lösung haben alle Mitarbeiter nun eine Lohnerhöhung bekommen. Ob das allerdings auch die Endlösung aller Probleme ist, kann bezweifelt werden. Fairer Weise muss man aber erwähnen, dass nicht nur Apple, sondern auch Dell, Sony und andere dort produzieren lassen.

Als Betriebssystem besitzt das iPad das iPhone OS. Daher können auch alle im App Store für das iPhone und den iPod Touch vorhandenen Anwendungen auf dem iPad verwendet werden. Dies ist aber nicht zu empfehlen, da die Apps entweder sehr klein oder vergrößert dargestellt sehr pixelig und unscharf sind. Von Apple selbst gibt es die einzelnen Office-Anwendungen der iWork-Familie, als spezielle, an die Multi-Touch-Bedienung des iPad angepasste Versionen. Neu ist die iBooks-Anwendung, mit der E-Books im EPUB-Format angezeigt werden können.

Ein sehr große Diskussion war auch die nicht Implementierung von Adobe Flash. Apple hat entschieden abgelehnt Flash auf dem iPhone / iPad zu erlauben, da es laut Steve Jobs aufgrund von Programmierfehlern seitens Adobe immer wieder zu Systemabstürzen komme und außerdem die Akkulaufzeit verkürze. Flash soll laut Jobs für die meisten Macabstürze verantwortlich sein. Leider sind sehr viele Internetseiten in Flash programmiert, so dass diese auf dem Gerät, dass ja eigentlich eine Webmaschine sein soll, nicht angezeigt werden können. Das empfinde ich als klaren Minuspunkt. Aber auch dahinter steckt wieder eine Strategie von Apple, denn alle Anbieter von Flash Seiten werden Apps programmieren (müssen) und diese müssen dann wieder an Apples Eingangskontrolle (App-Store) vorbei, so dass Apple alle Inhalte kontrollieren kann und unerwünscht Apps ablehnen kann. Außerdem behält Apple 30 % der Verkaufserlöse für ein App. Auf die Millionen von Apps gerechnet ist das ein stattliches Sümmchen. Warum müssen Anbieter dennoch Apps programmieren? Weil Apple es mit seinen Produkten iPod / iPhone / iPad schafft eine riesengroße Gemeinde von Konsumenten anzuhäufen, die sich keiner entgehen lassen kann. Die Frage ist nun beim iPad, wie einigt man sich mit den ebooks im neuen iBook store? Die deutschen Verlage pochen schon darauf, dass auch digital die Buchpreisbindung gilt, aber ist das wirklich so? Daher ist der iBook store wohl auch heute zum Start leider etwas karg besetzt. Wird Apple es auch hier schaffen, seine Vorstellungen von Preisen / Margen durchzusetzen? Auch hier könnten die großen Konzerne einknicken, da die Konsumentenmenge einfach so groß ist, dass es sich keiner leisten kann darauf zu verzichten. Sogar Amazon hat ein eigenes Kindle App veröffentlicht, mit dem man alle Bücher, die bei Amazon gekauft hat, auch auf dem iPad lesen kann. Ist das nicht schon eine Bankrotterklärung? Und warum hat Apple das überhaupt erlaubt? Apple wird wohl nie ein App für den Kindle schreiben, mit dem man alle ibooks auf dem Kindle lesen kann. Warum auch, sie haben ja das bessere Produkt!?

Wenn man genauer hinsieht ist das Geschäftsmodell nicht wirklich neu, denn Microsoft wurde so auch einmal groß. Dabei dachten alle, es sei überholt. Ein Trugschluss, wie sich jetzt herausstellt. Ein fast abgeriegeltes System, kaum kompatibel mit Software anderer Firmen mit dem Ziel, eine Alleinstellung im Markt zu erreichen. Dabei sollen die tollen Produkte nur dafür sorgen, dass über iTunes reichlich eingekauft wird. Nur so hat es itunes auch geschafft einen Milliarden Markt zu kreieren. Seit Öffnung des Stores wurden mehr als 10 Milliarden Songs, beim App- Store  bereits mehr als 4 Milliarden Apps runtergeladen. Hinzu kommt, dass Apple den itunes Store für ganz Europa in Luxenburg eröffnet hat. Ein Schelm, der dabei böses denkt. Aber Rabattaktionen sind so wirklich einfacher durchzuführen, da nicht auf die nationalen Gesetze geachtet werden muss, aber was die anderen Länder von der Steuerbevorzugung denken, kann man sich ja ausmalen. Zu Gute halten muss man Jobs, dass er nie ein Freund von dem Kopierschutz DRM war. Leider schwangen ihn die großen Labels, diesem aber einzusetzen, um die Musik überhaupt verkaufen zu dürfen. Ab 2007 schaffte es Jobs wiedereinmal den Willen der großen Konzerne zu brechen und verkündete 2007, dass DRM bald Geschichte sei. Und mal ganz im Ernst, solche Erfolge konnte Microsoft nie verbuchen.

Bei Programmen, Musik, Nachrichten, Werbung, …  hat Apple also das letzte Wort. Gerade beim Thema Werbung, das in den letzten Jahren etwas zu kurz kam, wird Apple mit dem neuen OS neue Wege gehen und neue Möglichkeiten bieten. Auch hier hat Steve auf den letzten OS Vorstellung die Millionen von iPhone / iPod und jetzt auch noch iPad Nutzern hingewiesen, dass dies alles mögliche Konsumenten sein können und prompt „iAd“ vorgestellt. Dabei sollen Firmen, die Möglichkeit haben, Werbung in deren Apps zu platzieren, um mehr Einnahmen zu generieren. Klar macht Apple das nicht aus Nächstenliebe, Apple behält 40 % der Werbe-Einnahmen und kontrolliert auch hier wieder, wer wann für was wirbt. Bei uns Ökonomen würde man sagen, dass Steve die gesamte Wertschöpfungskette in der digitalen Kommunikation bedient. Von der Produktion, über Inhalte bis hin zum Vertrieb hat er alles in seinen Händen. Man könnte (müsste) eigentlich sagen, dass hier ein spitzen Monopol entsteht. Das interessante daran ist allerdings, dass es schon bemühte Konkurrenz gibt, die aber von den Konsumenten nicht angenommen wird, da sie die Produkte von anderen Herstellen einfach nicht kaufen. Sie fördern so noch die Monopolbildung Apples, obwohl Monopole ja eigentlich schlecht für Konsumenten sind, da die Preise steigen und von Einem diktiert werden. Auch die Konkurrenz ist schon ganz eingeschüchtert. Microsoft traut sich z. B. mit dem 2006 erschienenen Zune Player immer noch nicht nach Europa und hat in Amerika gerade einmal einen Marktanteil von einem Prozent. Nur so zum Vergleich: Apple liegt bei ca. 74 % Marktanteil. Daher ist es auch nicht ganz verwunderlich, dass just in diesen Tagen Apple an der Börse rund 222 Milliarden Dollar wert ist und Konkurrent Microsoft dagegen nur noch 219,2 Milliarden Dollar. 1997 hatte Microsoft-Gründer Bill Gates mit einer kräftigen Finanzspritze Apple vor der Insolvenz gerettet. Muss bald Apple Microsoft retten? Oder kauft Apple bald Microsoft?

Aber machen wir uns nichts vor. Apple hat es 2007 schon einmal geschafft einen gesamten Markt neu zu erfinden und zu definieren. Das iPhone war revolutionär und hat den Markt auf den Kopf gestellt. Gestandene Handy-Firmen wie Nokia hat es ganz kalt erwischt. Außerdem wurde zum ersten Mal ein neues Geschäftsmodell am Markt etabliert. Apple verdiente ab sofort an jedem Vertrag, der mit dem iPhone abgeschlossen wurde, mit. Das gab es bis zu diesem Zeitpunkt noch nie! Und zurecht wurde das iPhone ein großer Erfolg. Große Innovationen erkennt man immer daran, dass sie nachgeahmt werden. Und was seit drei Jahren auf dem Handy-Markt passiert ist wohl jedem bewußt, die Smartphones sprießen nur so aus dem Boden und sehen dabei dem iPhone schon sehr ähnlich. Google erkannte dann auch recht schnell den Markt und die großen Möglichkeiten und entwickelte Android OS. Dennoch hat es kaum jemand geschafft, das iPhone in Sachen Design und Usability nachzuahmen. Irgendwie haben es die Leute bei Apple schon drauf.

Daher traue ich Apple diesmal wieder zu, einen Markt für das iPad zu kreieren, der noch gar nicht da ist. Denn mal ehrlich, eigentlich brauchen wir es nicht, aber haben will es trotzdem jeder. Ich übrigens auch!

CEO & Founder (elschundfink), Blogger, Beobachter der digitalen Medienszene, Apfelfreund & Androidnutzer. Du findest mich auch auf Google+