iPad – Was geht da eigentlich ab?

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Ja, was war das denn wieder mal für ein großartig insze­nierter Apple Produkt-Launch? Ich bin immer wieder beein­druckt, wie Apple es schafft ein Produkt mit so viel Tam Tam auf dem Markt zu bringen, das eigentlich keiner braucht. Mal ehrlich, es soll die Lücke zwis­chen Note­book und Smart­phone schließen, doch besteht dort überhaupt eine Lücke? Manche reden sogar von einem Comput­er­ersatz, aber dummer­weise wird zwin­gend einen Computer für die Synchro­ni­sa­tion benötigt. Aber mal ganz langsam…

Dass Apple immer (okay, wie wir am iPhone-Prototypen sehen konnten fast immer) alles im Griff hat, zeigte sich auch heute morgen, als alle iPad verkaufenden Shops nicht vor 8 Uhr öffnen durften. Daher kamen viele Menschen schon ganz schon früh zu den Apple Stores nach München / Frank­furt oder Hamburg. Manche wollten einfach nur dabei sein, denn bei Apple wird ein Produk­t­start richtig gefeiert. So etwas kennen wir in Deutsch­land eigentlich nicht, oder? Die meisten waren aber dann doch dort, um wirk­lich ein iPad zu kaufen. Und das ist schon erstaunlich, denn ich frage mich was bringt mir das Gerät neben meinem iPhone, Macbook und iMac? Wie man sieht, besitze ich schon so einige Mac-Produkte, die ich auch liebe. Aber das iPad?

Das 9,7-Zoll-Display funk­tion­iert wie beim iPhone kapaz­itiv und reagiert auf Multi-Touch-Gesten. Als Prozessor wird der von Apple eigens konstru­ierte und von Samsung hergestellte ARM-Prozessor Apple A4 mit einer Takt­fre­quenz von 1 GHz verbaut. Das Gerät wird in den Versionen mit 16, 32 oder 64 GB Flash-Speicher ange­boten. Zur Basisausstat­tung gehören 802.11n-WLAN sowie Blue­tooth 2.1. Als mobile Netzw­erk­tech­niken sind gegen Aufpreis UMTS/HSDPA und GSM/EDGE einge­baut. Diese Geräte enthalten dann auch eine A-GPS-Funktion und lassen sich nur mit den oft disku­tierten und in Deutsch­land noch überhaupt nicht verbre­it­eten SIM-Karten des Formats „micro-SIM“ betreiben. Die Laufzeit des fest einge­bauten Akkus wird mit bis zu zehn Stunden (was in diversen Tests auch erre­icht wurde) und die Standby-Zeit mit mehreren Wochen angegeben, die Leben­szeit soll rund fünf Jahre betragen. Dieser kann gegen eine Gebühr von ca. 100 Euro dann bei Apple später getauscht werden. Das Gerät hat einen Beschle­u­ni­gungssensor, über den Anwen­dungen gesteuert werden können und der den Bild­schirmin­halt an die Lage des Geräts anpasst. Der Bild­schirm ist hinter­grund­beleuchtet, wobei die Helligkeit über einen Umge­bungslicht­sensor an die umgebenden Lichtver­hält­nisse angepasst wird. Weit­erhin hat das iPad einen Kopfhör­eran­schluss und besitzt inte­gri­erte Laut­sprecher sowie ein Mikrofon. Das Mikrofon wird oft vergessen, da Apple das Sprachmemo-App nicht vorin­stal­liert hat. Das iPad verfügt über den 30-poligen Apple Dock-Connector. Mittels Adapter können zusät­zlich USB-, SD-Card- und eine VGA-Schnittstelle zur Verfü­gung gestellt werden. Leider können keine externe Fest­platten angeschlossen werden, wie Tests zeigten. Außerdem funk­tion­iert die Kommu­nika­tion leider nur in eine Rich­tung. Daher können keine Fotos vom iPad auf eine SD-Card überspielt werden.Die Produk­tion der einzelnen Hard­warekom­po­nenten übern­immt das taiwanische Unternehmen Foxconn. Und hier haben wir ja in den letzten Tagen viele schlimme Nachrichten hören müssen, erst gestern hat sich wieder ein Arbeiter das Leben genommen. Hier stellt sich die Frage nach den Arbeits­be­din­gungen. Als erste Lösung haben alle Mitar­beiter nun eine Lohn­er­höhung bekommen. Ob das allerd­ings auch die Endlö­sung aller Prob­leme ist, kann bezweifelt werden. Fairer Weise muss man aber erwähnen, dass nicht nur Apple, sondern auch Dell, Sony und andere dort produzieren lassen.

Als Betrieb­ssystem besitzt das iPad das iPhone OS. Daher können auch alle im App Store für das iPhone und den iPod Touch vorhan­denen Anwen­dungen auf dem iPad verwendet werden. Dies ist aber nicht zu empfehlen, da die Apps entweder sehr klein oder vergrößert dargestellt sehr pixelig und unscharf sind. Von Apple selbst gibt es die einzelnen Office-Anwendungen der iWork-Familie, als spezielle, an die Multi-Touch-Bedienung des iPad angepasste Versionen. Neu ist die iBooks-Anwendung, mit der E-Books im EPUB-Format angezeigt werden können.

Ein sehr große Diskus­sion war auch die nicht Imple­men­tierung von Adobe Flash. Apple hat entsch­ieden abgelehnt Flash auf dem iPhone / iPad zu erlauben, da es laut Steve Jobs aufgrund von Program­mier­fehlern seitens Adobe immer wieder zu Systemab­stürzen komme und außerdem die Akku­laufzeit verkürze. Flash soll laut Jobs für die meisten Macab­stürze verant­wortlich sein. Leider sind sehr viele Inter­net­seiten in Flash program­miert, so dass diese auf dem Gerät, dass ja eigentlich eine Webmas­chine sein soll, nicht angezeigt werden können. Das empfinde ich als klaren Minus­punkt. Aber auch dahinter steckt wieder eine Strategie von Apple, denn alle Anbi­eter von Flash Seiten werden Apps program­mieren (müssen) und diese müssen dann wieder an Apples Eingangskon­trolle (App-Store) vorbei, so dass Apple alle Inhalte kontrol­lieren kann und uner­wün­scht Apps ablehnen kann. Außerdem behält Apple 30 % der Verkauf­ser­löse für ein App. Auf die Millionen von Apps gerechnet ist das ein stat­tliches Sümm­chen. Warum müssen Anbi­eter dennoch Apps program­mieren? Weil Apple es mit seinen Produkten iPod / iPhone / iPad schafft eine riesen­große Gemeinde von Konsumenten anzuhäufen, die sich keiner entgehen lassen kann. Die Frage ist nun beim iPad, wie einigt man sich mit den ebooks im neuen iBook store? Die deutschen Verlage pochen schon darauf, dass auch digital die Buch­preis­bindung gilt, aber ist das wirk­lich so? Daher ist der iBook store wohl auch heute zum Start leider etwas karg besetzt. Wird Apple es auch hier schaffen, seine Vorstel­lungen von Preisen / Margen durchzusetzen? Auch hier könnten die großen Konz­erne einknicken, da die Konsumenten­menge einfach so groß ist, dass es sich keiner leisten kann darauf zu verzichten. Sogar Amazon hat ein eigenes Kindle App veröf­fentlicht, mit dem man alle Bücher, die bei Amazon gekauft hat, auch auf dem iPad lesen kann. Ist das nicht schon eine Bankrot­terk­lärung? Und warum hat Apple das überhaupt erlaubt? Apple wird wohl nie ein App für den Kindle schreiben, mit dem man alle ibooks auf dem Kindle lesen kann. Warum auch, sie haben ja das bessere Produkt!?

Wenn man genauer hinsieht ist das Geschäftsmodell nicht wirk­lich neu, denn Microsoft wurde so auch einmal groß. Dabei dachten alle, es sei überholt. Ein Trugschluss, wie sich jetzt herausstellt. Ein fast abgeriegeltes System, kaum kompat­ibel mit Soft­ware anderer Firmen mit dem Ziel, eine Alle­in­stel­lung im Markt zu erre­ichen. Dabei sollen die tollen Produkte nur dafür sorgen, dass über iTunes reich­lich eingekauft wird. Nur so hat es itunes auch geschafft einen Milliarden Markt zu kreieren. Seit Öffnung des Stores wurden mehr als 10 Milliarden Songs, beim App- Store  bereits mehr als 4 Milliarden Apps runterge­laden. Hinzu kommt, dass Apple den itunes Store für ganz Europa in Luxen­burg eröffnet hat. Ein Schelm, der dabei böses denkt. Aber Rabat­tak­tionen sind so wirk­lich einfacher durchzuführen, da nicht auf die nationalen Gesetze geachtet werden muss, aber was die anderen Länder von der Steuer­bevorzu­gung denken, kann man sich ja ausmalen. Zu Gute halten muss man Jobs, dass er nie ein Freund von dem Kopier­schutz DRM war. Leider schwangen ihn die großen Labels, diesem aber einzusetzen, um die Musik überhaupt verkaufen zu dürfen. Ab 2007 schaffte es Jobs wiedere­inmal den Willen der großen Konz­erne zu brechen und verkün­dete 2007, dass DRM bald Geschichte sei. Und mal ganz im Ernst, solche Erfolge konnte Microsoft nie verbuchen.

Bei Programmen, Musik, Nachrichten, Werbung, …  hat Apple also das letzte Wort. Gerade beim Thema Werbung, das in den letzten Jahren etwas zu kurz kam, wird Apple mit dem neuen OS neue Wege gehen und neue Möglichkeiten bieten. Auch hier hat Steve auf den letzten OS Vorstel­lung die Millionen von iPhone / iPod und jetzt auch noch iPad Nutzern hingewiesen, dass dies alles mögliche Konsumenten sein können und prompt “iAd” vorgestellt. Dabei sollen Firmen, die Möglichkeit haben, Werbung in deren Apps zu platzieren, um mehr Einnahmen zu gener­ieren. Klar macht Apple das nicht aus Näch­sten­liebe, Apple behält 40 % der Werbe-Einnahmen und kontrol­liert auch hier wieder, wer wann für was wirbt. Bei uns Ökonomen würde man sagen, dass Steve die gesamte Wertschöp­fungs­kette in der digi­talen Kommu­nika­tion bedient. Von der Produk­tion, über Inhalte bis hin zum Vertrieb hat er alles in seinen Händen. Man könnte (müsste) eigentlich sagen, dass hier ein spitzen Monopol entsteht. Das inter­es­sante daran ist allerd­ings, dass es schon bemühte Konkur­renz gibt, die aber von den Konsumenten nicht angenommen wird, da sie die Produkte von anderen Herstellen einfach nicht kaufen. Sie fördern so noch die Monopol­bil­dung Apples, obwohl Mono­pole ja eigentlich schlecht für Konsumenten sind, da die Preise steigen und von Einem diktiert werden. Auch die Konkur­renz ist schon ganz eingeschüchtert. Microsoft traut sich z. B. mit dem 2006 erschienenen Zune Player immer noch nicht nach Europa und hat in Amerika gerade einmal einen Mark­tan­teil von einem Prozent. Nur so zum Vergleich: Apple liegt bei ca. 74 % Mark­tan­teil. Daher ist es auch nicht ganz verwun­der­lich, dass just in diesen Tagen Apple an der Börse rund 222 Milliarden Dollar wert ist und Konkur­rent Microsoft dagegen nur noch 219,2 Milliarden Dollar. 1997 hatte Microsoft-Gründer Bill Gates mit einer kräftigen Finanzspritze Apple vor der Insol­venz gerettet. Muss bald Apple Microsoft retten? Oder kauft Apple bald Microsoft?

Aber machen wir uns nichts vor. Apple hat es 2007 schon einmal geschafft einen gesamten Markt neu zu erfinden und zu definieren. Das iPhone war revo­lu­tionär und hat den Markt auf den Kopf gestellt. Gestandene Handy-Firmen wie Nokia hat es ganz kalt erwischt. Außerdem wurde zum ersten Mal ein neues Geschäftsmodell am Markt etabliert. Apple verdi­ente ab sofort an jedem Vertrag, der mit dem iPhone abgeschlossen wurde, mit. Das gab es bis zu diesem Zeit­punkt noch nie! Und zurecht wurde das iPhone ein großer Erfolg. Große Inno­va­tionen erkennt man immer daran, dass sie nachgeahmt werden. Und was seit drei Jahren auf dem Handy-Markt passiert ist wohl jedem bewußt, die Smart­phones sprießen nur so aus dem Boden und sehen dabei dem iPhone schon sehr ähnlich. Google erkannte dann auch recht schnell den Markt und die großen Möglichkeiten und entwick­elte Android OS. Dennoch hat es kaum jemand geschafft, das iPhone in Sachen Design und Usability nachzuahmen. Irgendwie haben es die Leute bei Apple schon drauf.

Daher traue ich Apple diesmal wieder zu, einen Markt für das iPad zu kreieren, der noch gar nicht da ist. Denn mal ehrlich, eigentlich brauchen wir es nicht, aber haben will es trotzdem jeder. Ich übrigens auch!

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