Ich möchte an dieser Stelle meine Erlebnisse (April/Mai) notieren, bei denen sich für mich als Kunde der Mehrwert der sozialen Medien gezeigt hat. Mehr oder weniger direkt angesprochen durchleuchten die Unternehmen das Netz nach Fragen, Anregungen und Problemen und antworten oder bieten Hilfe an. Ich habe bewusst die einzelnen Firmen etwas herausgefordert, um herauszubekommen, wie groß Service in den sozialen Medien geschrieben wird. Etwas anderes ausgedrückt: Mittlerweile kann man nicht mehr einfach nur seine Meinung über Twitter raushauen ohne direkt eine Antwort der jeweiligen Firma zu bekommen. Durch die reichhaltige Bebilderung ist dieser Beitrag leider etwas länger geworden. Meine Beispiele stehen nur exemplarisch (nicht repräsentativ) für einige Dialoge, die ich über Twitter mit Firmen geführt habe.
Den Anfang macht E-Plus. Ich habe meinen Datenverbindungs-Frust auf der Reise von Mönchengladbach nach Münster in einem Tweet verewigt. Von der Antwort von E-Plus war ich überrascht, da ich einfach nur meine Erlebnisse und Gefühle mit der Welt teilen wollte.
@elschy Welche Datengeschwindigkeit nutzt du denn aktuell und welche wäre für dich ausreichend? /st
— BASE (@BASE) April 10, 2012
Streng genommen habe ich diese Antwort zwar nicht wirklich verstanden, weil es mir um die grundsätzliche Geschwindigkeit und die Datennetzabdeckung ging und um nichts anders. Aber da ich keine konkrete Frage gestellt hatte, war ich ja schon mit einer Kontaktaufnahme sehr zufrieden. Und es kam sogar noch besser, denn wenig später klingelte mein Handy und E-Plus war dran. Ihnen wurde gemeldet, dass ich eine Störungsmeldung abgegeben würde. Da war ich dann doch etwas verdutzt, und sagte: Ja, für ihr ganzes Datennetz. Das fand der Serviceagent nicht so lustig und versuchte mein genaues Problem zu verstehen, dabei ist das doch ganz einfach: E-Plus muss dringend etwas am Datennetz verbessern. Denn sobald man die Stadtgrenzen passiert, wird es auf dem Smartphone wirklich dramatisch. Das wollte oder konnte der nette Herr aber nicht verstehen und sagte, dass es ja auch an meiner Sim-Karte liegen könnte. Damit mir später nicht nachgesagt werden kann, dass es daran gelegen hat, habe ich also nun eine neue Sim-Karte. Sorry, aber viel verbessert hat sich nicht. Aber mein Fazit: guter Kundenservice, auch wenn es Netztechnisch noch ein LANGER Weg ist.
Mein zweiter Fall ist vente-privee. Dies ist ein Portal, in dem Markenware zum wirklich guten Preis verkauft wird. Ich kaufe dort gerne. Leider stellte ich Samstags fest, dass meine im Oktober gekaufte Burton-Tasche gerissen war. Dabei hatte ich diese nicht oft benutzt. Da dachte ich mir bevor ich jetzt alle Daten raussuche, mich einlogge und nachfrage wie die weiteren Schritte sind, war ich etwas dreist und schrieb denen auf Twitter einfach meine Tasche sei kaputt und packte ein Foto dazu. Gesagt getan. Daraufhin bekam auch innerhalb von einer Stunde folgende Antwort:
@elschy Hallo Michael, ich habe Dein Foto gleich an unsere Mitgliederbetreuung weitergeleitet, sie meldet sich dann bei dir. VG Nina
— Nina von Winterfeld (@venteprivee_De) April 16, 2012
Daraufhin habe ich am folgenden Tag eine Mail bekommen, in der alle Details standen (welche Marke, wann gekauft,..). Da hatte sich wohl jemand die Mühe machen müssen und diese Details zusammen getragen, so dass ich das nicht machen musste. Mir wurde angeboten, entweder einen Betrag erstattet zu bekommen oder die Tasche zurückzusenden. Bis jetzt war es ein lupenreiner, kundenorientierter Vorgang. Leider folgt nun ein unnötiger Medienbruch, denn man konnte nicht auf diese Mail antworten, sondern musste einen Browser öffnen, sich auf der Internetseite einloggen und ein Formular ausfüllen. Wie immer gab es meinen Grund der Kontaktaufnahme nicht. Daher erlaube ich mir mittlerweile, den dümmsten Grund auszuwählen. Nach meiner Antwort per Kontaktformular habe ich recht zügig eine Antwort erhalten. Mittlerweile ist das Paket längst zurückgeschickt und mein Geld wieder auf meinem Konto. Das ging dann wieder schnell und unbürokratisch. Mein Fazit: Super Vorgang, netter Kontakt mit kleinem Haken.
Als nächstes möchte ich die so oft verschriene Deutsche Bahn erwähnen. Wie ich bei Twitter lesen konnte, hatten einige (so auch ich) das Problem, dass der Ostermontag von einigen Apps nicht als Feiertag erkannt wurde und somit falsche Auskünfte erzeugt wurden. Genau darauf bin ich reingefallen, da ein Zug wochentags von Mönchengladbach bis Hamm fährt, aber Sonn- und Feiertags nur bis Dortmund. Genau diesen Fakt habe ich nett der Bahn über Twitter direkt übermittelt. Daraufhin bekam ich am Montag (also noch am Feiertag) folgende Antwort mit folgender Nachfrage:
@elschy Haben Sie auch eine Zugnummer für mich? Würde mir das gerne anschauen. /fi
— DB Bahn (@DB_Bahn) April 9, 2012
Ich habe natürlich sofort geantwortet:
@elschy Der RE30063 ist laut App nur bis DO gefahren. Es gab noch eine Verbindung mit 2 Umstiegen in Duisburg&Hamm. Gleiche Abfahrtszeit /fi
— DB Bahn (@DB_Bahn) April 9, 2012
Leider ließ sich mein Fehler Abends nicht mehr rekonstruieren.
@elschy Hmm, merkwürdig. Beim nächsten Mal direkt twittern, wenn Ihnen das auffällt. Trotzdem danke für die Info. /fi
— DB Bahn (@DB_Bahn) April 9, 2012
Mein Fazit: Man sollte sich am Gleis lieber noch mal vergewissern, ob die Infos wirklich stimmen. Auch wenn ich in diesem Fall der Leidtragende war, Fakt ist, dass sich wirklich einer um diesen Fehler am Feiertag gekümmert hat. Und das finde ich richtig gut. An dieser Stelle sollte die Bahn hierfür auch mal gelobt werden! Aber warnend möchte ich hinzufügen, bitte nicht auf den Lorbeeren ausruhen, denn es gibt noch genügend Baustellen bei euch.
Mein nächstes Beispiel ist Unity Media. Ich habe die letzten Tage festgestellt, dass Unity Media die Tarife verändert hat, so dass ich zum gleichen Preis deutlich mehr Download und Upload bekommen könnte. Daher wollte ich nachfragen, ob ich in den neuen Tarif wechseln kann. Ein Tarifwechsel bei einem Telekommunikationsunternehmen ist ja (wie bestimmt viele schon festgestellt haben) immer so eine Sache, denn die lassen einen normalerweise gerne bis zum Vertragsende im alten Tarif (zu den teureren Konditionen) schmoren. Aber ich war guter Dinge und habe eine Anfrage gestellt. Zum besseren Vergleich habe ich die gleiche Anfrage per mail und bei Twitter gestellt. Um diesen Test direkt aufzulösen, die Mailantwort trudelte nach 2 Wochen bei mir ein.
@elschy Guten Tag,in der Regel ja. Gerne prüfen wir Ihren Kundenvertrag. Bitte nennen Sie uns dazu bitte Ihre Kundennummer per DM.VG ^HL
— Unitymedia Hilfe (@UnitymediaHilfe) April 30, 2012
Wie man sieht wurde meine Anfrage direkt am nächsten Tag beantwortet. Ich habe daraufhin meine Kundennummer per direkt Nachricht mitgeteilt und noch am selben Tag eine Antwort bekommen. Für mich sehr überraschend ist ein Tarifwechsel für 9,95€ möglich. Mein Fazit: Toller Kundenservice und tolle Firmenstrategie, dass ein Tarifwechsel während der Laufzeit zu fairen Preisen möglich ist.
Nun ein weniger amüsantes Beispiel: Hermes. Ich habe bei Amazon etwas gekauft und war an dem Tag nicht zu Hause. Als ich nach Hause kam, lag folgender Zettel im Briefkasten:
Ich dachte schon, och ne, nicht Hermes. Wie auf dieser Paketkart zu sehen, wußte ich jetzt nicht, was ich eigentlich machen sollte und was als nächstes geschehen sollte. Denn leider war kein Häkchen angekreuzt. Nur die Info, dass ich nicht zu Hause war und eine Handy Nummer. Mutig, wie ich war, habe ich dort angerufen. Am anderen Ende begrüßte mich ein recht unfreundlicher (vielleicht auch gestresster) Mann. Ich hatte sofort ein ungutes Gefühl, den Mann zu stören, aber er hatte doch seine Nummer aufgeschrieben. Ich gab mich also als Hermes-Kunde zu erkennen. Dann erinnerte sich der Mann und sagte: “Sie waren eben nicht zu Hause”. Das muss ihn ja wirklich getroffen haben, mir den Satz nochmals um die Ohren zu hauen. Dann fragte ich, wann ich denn mit der Lieferung rechnen könnte. Er sagte, morgen im Laufe des Tages. Diese Aussage von Lieferanten, Handwerken, … hasse ich, denn die lassen sich alle Möglichkeiten offen und man selber ist der Dumme, der den ganzen Tag wartet. Als ich sagte, dass ich womöglich nicht den ganzen Tag da sein werde, hörte ich ein leichtes stöhnen. Er antwortete, dass er mir dann nicht versprechen könne, dass er mein Paket am morgigen Samstag ausliefern wird. Na toll, dachte ich und wartete daraufhin am folgenden Tag auf den Hermes Mann. Ich dachte mir, wie schön wäre es einfach in meine naheliegende Postfiliale zu gehen und das Paket einfach abzuholen, ohne auf meine Kosten auch noch den Hermes-Boten anrufen zu müssen. Daher münzten diese Erkenntnisse und Gedanken in einem Tweet, der in Rekordzeit (3 Minuten) auch von Hermes aufgegriffen wurde. Leider mündete dieser Dialog in einem kleinen Streitgespräch: (um die Chronologie zu bewahren sollte zuerst die gesamte linke Spalte von oben nach unten und im Anschluss die rechte Spalte von oben nach unten gelesen werden)
Ich empfinde diese Antworten als patzig und beleidigt, obwohl ich doch eigentlich nur meine Meinung (unterfüttert mit den Tatsachen) kund tuen wollte. Klar, als Firma sollte man sich immer hinter die Mitarbeiter stellen, aber den Kunden frech anzugehen finde ich eher ungeeignet. Besonders geärgert hat mich, dass dieser Prozess, (kein Kreuzchen auf der Paketkarte, ich muss denn Boten anrufen) offiziell als “super” bezeichnet wird. Fazit: Nicht das erste Mal habe ich Ärger mit der Belieferung von Hermes. Aber, dass ich vom Kundenservice so angegangen wurde, setzte dem ganzen jetzt noch die Krone auf. Daher mein Votum: Keine Lieferungen mehr mit Hermes.
Ich möchte ausser der Reihe noch ein Facebook-Beispiel präsentieren. Ich interessiere mich wirklich für den neuen Tarif von yourphone.de. Allnet Flat für 20 € (inkl. 500MB Datentarif) ist schon ein atemberaubendes Angebot. Ich habe mich allerdings gefragt, ob man (wie bei BASE) auch eine Festnetznummer dazubuchen kann, damit man für die Anderen überall günstig erreichbar ist. Meine Anfrage habe ich Samstags gestellt und Beantwortung erfolgte am Sonntag:
Leider habe ich nicht die erhoffte Antwort bekommen, aber die prompte Beantwortung hat mich gefreut.
Mein letzter Fall ist etwas zum Schmunzeln. Während des Formel 1 Rennens bekamen wir Hunger und dachten uns, bestellen wir bei Joeys. Ein Freund hat die ungewöhnliche Angewohnheit gerne eine geteilte Pizza (Hälfte Crazy Dog und Hälfte Waikiki) zu bestellen. Das ist an sich schon ungewöhnlich, war aber bei uns mittlerweile Standard. Nun wollte er den Schwierigkeitsgrad erhöhen und hat seine Pizza gedrittelt bestellt (Crazy Dog, Waikiki und Athena). Wir haben uns nicht getraut telefonisch zu bestellen, weil sich keiner von uns dumme Kommentare einfangen wollte. Daher wurde online bestellt, was den Schwierigkeitsgrad wegen fehlender Nachfrage ja noch erhöhte. Und tatsächlich die Pizza kam wie bestellt (okay, man kann über die Drittelung ein wenig meckern, aber das möchte ich hier gar nicht) und es wurde Cent genau abgerechnet, denn jede Pizza wurde zum einem Drittel berechnet. Toll, bis hierhin schon mal guter Kundenservice. Und genau das wollte ich auch der Welt mitteilen. Wer konnte denn ahnen, dass Joey’s mir noch am Sonntag unverhofft antwortet.
@elschy Kunde ist König!
Hat’s denn geschmeckt? Viele liebe Grüße. Das Joey’s Team.
— Joey’s Pizza (@Joeys_de) April 22, 2012
Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Aber es hat mich sehr gefreut.
Mein persönliches Gesamt-Fazit: Twitter ist wohl bei vielen Unternehmen in der Kundenbindung und Kundenbetreuung angekommen. Auch ohne direkte Ansprache schauen die Firmen wohl genau hin was, wann, wie gesagt wird und treten direkt in den Dialog ein. Toll, das ist Social Media, at its best.





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