Technikkram Teil 5: Sony Ericsson Xperia mini pro

6 Jahre alt von in Komelsch, Test Berichte Tags: , , , ,

Über Facebook habe mich vor einigen Wochen bei BASE beworben, um Produktester zu werden. So mal zwischendurch habe ich drei Bewerbungsfragen beantwortet und recht schnell vergessen, dass ich mir beworben habe. Dann vor 4 Wochen die erfreuliche Nachricht, ich darf für BASE ein Handy testen. Für mich stand das Sony Ericsson Xperia mini pro bereit. Dieses läuft mit Android 2.3.3, was für mich als iPhone Nutzer der ersten Stunde eine gewisse Herausforderung werden sollte. Aber eine gewisse Neugier kam recht schnell in mir hoch, da ich doch mal selber testen wollte, was eigentlich an Android anders ist.

Nach nettem Austausch mit BASE wurde das Gerät schnell geliefert und der Test konnte vor 4 Wochen beginnen. Beim Lieferumfang fiel mir direkt die mitgelieferte Displayschutzfolie positiv auf. Und die Qualität war sogar recht ordentlich. Als zweites fiel mir das Mini-USB auf USB Kabel mit Stromadapter auf. Auch hier schön zu sehen, dass sich Sony Ericsson an die EU Richtlinie hält und die Handys mit den genormten Mini USB-Steckern ausrüstet. Und nicht wie z.B. Apple, bei denen man den USB Adapter zusätzlich käuflich erwerben muss. Da der interne Speicher mit 512 MB (von denen im Auslieferungszustand noch 309 Megabyte frei sind) doch recht dürftig ist, legt Sony Ericsson noch eine 2 GB microSD Karte dazu. Hier können mircoSD Karten bis maximal 32 Gigabyte Verwendung nachgerüstet werden. Die mitgelieferten Headsetkopfhörer sind recht akzeptabel, können aber auch durch andere Kopfhörer ersetzt werden. Im Gegensatz zu anderen Meldungen, die zu lesen sind, konnte ich meine Phillips SHL 9500 ohne Problem anschließen.

Beginnen wir mit der Hardware. Mit 137 g und den Maßen von 92 mm x 18 mm x 53 mm ist das Gerät im normalen Bereich und kann hier weder gegen andere Geräte punkten noch verlieren. Was mich ein wenig stört ist die Höhe von knapp 2 cm. Aber durch die ausfahrbare Tatstatur ist das leider nicht zu ändern. Das Gerät liegt aber trotz der Höhe kompakt und gut in der Hand. Das Design ist für mich ansprechend, wie beim Ur-Smartphone (dem iPhone) hat das Xperia nur einen richtigen Home-Knopf auf der Front. Zusätzlich sind noch zwei Touch Tasten für „zurück“ und „weitere Optionen“ vorhanden. An der rechten Seite ist noch eine Volumenwippe und ein Fotoauslöser Knopf, der die Bedienung bei Schnappschüssen deutlich vereinfacht. Das Display von 3 Zoll (7,6 cm) mit der Auflösung (320 x 480 Pixel) bei 192 ppi ist ordentlich ausgestattet und macht im Alltag (Fotos, YouTube-Videos) einen guten Eindruck. Jedoch ist es mir etwas zu klein. Besonders beim mobilen Internet via Browser fehlen mir ein paar Zentimeter Platz. Der 1 GHz Single Core Prozessor Adreno 205 mit 512 MB RAM ist für dieses Handy (Android 2.3.3) völlig ausreichend. Apps, Spiele, Musik, Videos werden sehr flüssig dargestellt. Bei aktuellen (rechenintensiven) Spielen merkt man allerdings schon, dass das Xperia nur einen Single Core Prozessor hat. Bei Angry Birds und Fruit Ninja konnte ich leicht erhöhte Warte- und Ladezeiten gegenüber dem iPhone feststellen. Wie beim iPhone kann man das Xperia während eines Videos um 90 Grad drehen. Dieser Prozess ist okay, aber bei weiten nicht so smooth wie im iPhone.

Der Akku ist wie bei jedem Handy die Achillesferse. Viele verschiedene Funktionen strapazieren den Akku doch arg. GPS, HSDPA, WLAN, Push-Nachrichten, Bluetooth und so einige andere Stromfresser sorgen bei ständiger Nutzung für tägliche Aufladepflicht. Wenn das Xperia nicht viel benutzt wird und nur hin und wieder telefoniert wird, hält der Akku auch mehrere Tage, obwohl der Akku „nur“ auf eine Kapazität von 1200 mAh hat.

Die ausklappbare Tastatur ist eine gute Alternative zu den momentan beliebteren Touchscreen Tastaturen. Die Tatstatur ist recht solide verarbeitet. Bei mir ist es allerdings einige Male vorgekommen, dass ich beim Ausklappen unbewusst auf das Display gedrückt habe und somit Apps aufgerufen habe. Die Größe und der Druckpunkt der 5×5 Millimeter großen, quadratischen Tasten ist auch für große Hände angenehm. Ich musste feststellen, dass auch ich als eher langsamer Tipper, längere emails problemlos und sehr flott erledigen konnte. Kleiner Nachteil ist der enge Abstand zwischen oberster Tastenreihe und aufgeschobenem Display. Hier eckt man beim Schreiben schon mal mit den Fingern an. Ein nettes zusätzliches Feature ist die Beleuchtung der Tasten (siehe Foto). Wenn man zu faul sein sollte die Tastatur herauszufahren ist es auch möglich, sich eine Touch QWERTZ-Tastatur  im Hochformat anzeigen zu lassen. Leider reicht der Platz hier nicht aus alle Buchstaben einzeln anzuzeigen. Daher werden Buchstabenblöcke gebildet, die man auch von älteren Modellen kennt. Interessanter Weise kann man sich auch eine Touch Tastatur im Querformat anzeigen lassen, hier hat sogar jeder Buchstabe seinen eigenen Platz. Der Sinn und die Nutzung ist natürlich zu hinterfragen.

Verbindet man das Mini Pro über das beiliegende Micro-USB-Kabel mit dem Mac, so tauchte bei mir dort nur der Inhalt der Speicherkarte auf, nicht die interne Ablage. Auch lassen sich Termine und Kontakte nicht mit Outlook oder Apple Derivaten synchronisieren, denn Sony Ericsson stellt hierfür keine Software zur Verfügung.
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Die 5 Megapixel Kamera mit Autofokus und LED-Blitz, mit der auch HD Filme gedreht werden können, macht einen guten Eindruck. Einige Einstellungen, die man von den Kompaktkameras kennt, sind hier wählbar. Zudem beherrscht die Kamera Lächel- und Gesichtserkennung. Tageslicht-Fotos innen wie außen sind ohne große Einstellungen möglich. Die Fotos mit LED-Blitz erhalten leider bei mir einen Grünstich (siehe Hamsterfoto). Die Kameralinse auf der Rückseite ist gänzlich ungeschützt, hier hätte ich mir eine Klappe zum auf- und zuschieben gewünscht.
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Um die Videofunktion zu testen habe ich ein HD Video gedreht. Man erkennt, dass die Kamera hin und wieder neu fokussiert. Franz-Josef meinte unbedingt die Makrofunktion genau testen zu müssen, daher war er direkt an der Kamera, was natürlich (auch für Makro) zu nah war.

Nun zum Betriebssystem Android 2.3.3. Als langjähriger iOS Anwender war ich sehr gespannt, was mich beim Konkurrenten erwartet. Nach kurzer Skepsis muss sagen, dass Android Gingerbread ein solides Betriebssystem ist. Man kann sich eigene Homebildschirme anlegen, Apps organisieren und Widgets platzieren. Das Xperia kommt mit der Sony Ericsson Menüführung Timescape: Sie zeigt zu jeder Person Facebook-Einträge, Twitter-Updates, E-Mails, Fotos und SMS-Nachrichten in einer Übersicht an. Vier individuell konfigurierbare Verknüpfungen in den Ecken des Displays ermöglichen den direkten Zugriff auf die Apps. Das erspart das Navigieren durch das Hauptmenü. Mittlerweile sind die meisten „wichtigen“ Apps, die man von iOS kennt, auch im Google Market Place angekommen, so dass man auch nichts verzichten muss. Die Apps, die ich oft benutze sind alle vorhanden (Twitter, Facebook, Wikipedia, DB Navigator, iLiga, Dropbox, eBay, Spiegel Online, Tagesschau, Type, Amazon, Shazam, Geocaching, WordPress, Kicker online). Gerade Apps sind auf diesem Handy meiner Meinung nach besonders wichtig, da Internetseiten im Browser wegen des gleichen Displays nicht sonderlich lesefreundlich angezeigt werden. Die Apps hingegen sind optimiert, so dass unnütze Informationen entfernt wurden. Man sollte jedoch wissen, dass man eine googlemail Adresse braucht, wenn man das Handy wirklich voll nutzen möchte. Schon alleine das Herunterladen von Apps erfordert eine solche ID. Im Hintergrund verknüpft Google dann das gesamte Phone mit allen Google Apps. Es wurden alle Kontakte vom Server geladen (was ich sehr begrüßte) und der Kalender wurde übernommen. Was mir aber nach einer Woche auffiel, dass mein Handy alle Bilder und Videos sofort zu Picasa hochlud. Nach dem ersten Schrecken stellte sich aber heraus, dass meine Fotos in einen nur für mich einsehbaren Bereich hochgeladen wurden. Trotzdem musste ich feststellen, dass dies so voreingestellt war und ich nie gefragt wurde. Für Leute ohne Internetflat kann dies ein böses Erwachen zur Folge haben, da das Hochladen im Hintergrund abläuft. Eins meiner Highlight ist das Notifikation Center, das Apple ab iOS 5 nun auch kopiert hat. Durch einen Wisch von oben nach unten erfährt man alle Infos (entgangene Anrufe, neue emails, neue SMS oder Push-Nachrichten der Apps), die man verpasst hat. Ich muss natürlich nicht erwähnen, dass Push emails von einem googlemail Account exzellent funktionieren. Was mir als Apple Nutzer sofort auffiel, war, dass Android ein Antivirus App benötigt. Das Sony Ericsson Xperia hatte McAfee schon vorinstalliert, so dass ich mich nicht weiter um andere Apps bemüht habe. Ein wenig besser als beim iPhone sind die Umlauteingabe gelöst. Diese lassen sich eingeben, indem Sie länger auf den Grundbuchstaben drücken. Dann wird das a automatisch beim Loslassen zum ä, usw (klappt auch mit dem ß).
[yellow_box]Mein Fazit: Wer viel und gerne auf seinem Handy emails, SMS oder ähnliches tippt und vorwiegend Apps (wie Twitter, Facebook, usw.) nutzt sollte das Xperia mini pro ernsthaft in Erwägung ziehen. Auch wenn die Finger beim Tippen auf dem QWERTZ-Keyboard immer mal wieder an den Displayrand stoßen. Aufgerufene Webseiten bauen sich zügig auf sind aber wegen dem 3 Zoll Display für mich etwas zu klein. Die Kamera macht ordentliche Fotos und Videos. Für YouTube-Videos, Facebook- und Twitter-Uploads ist die Qualität perfekt. Im Vergleich zu anderen Smartphones hat der Akku im Sony Ericsson Xperia mini pro in meinen Tests genügend Ausdauer bewiesen. Überzeugend ist die optimierte Oberfläche von Sony Ericsson, die Wege zu den wichtigsten Funktionen weiter verkürzt und dem Nutzer viele Freiheiten bei der Individualisierung bietet. Für die Smartphone Kategorie 200 Euro ist das Sony Ericsson zu empfehlen, da das Preis/Leistungsverhältnis gut ist.[/yellow_box]

-UPDATE- Eine etwas kürzere Fassung meines Tests ist nun auch auf dem BASE Blog erschienen. LINK.

CEO & Founder (elschundfink), Blogger, Beobachter der digitalen Medienszene, Apfelfreund & Androidnutzer. Du findest mich auch auf Google+