Das Öl-Drama und Köhler haut ab

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Das Öl-Leck im Golf von Mexiko. Was soll man eigentlich noch dazu sagen.

Am 20. April 2010 gab es eine Explo­sion auf der Ölplat­tform “Deep­water Horizon” vor der Küste Louisianas, dabei wurden 17 Arbeiter verletzt und elf bleiben bis heute verschollen. 4 Tage später versank die Plat­tform im Meer. Die US-Küstenwache erklärte, dass Öl aus zwei Lecks in 1500 Meter Tiefe ins Meer ströme. Später wird sogar noch ein drittes gefunden.

Schnell mussten die Helfer erkennen, dass sich die Schwimm­bar­ri­eren als zwecklos gegen den Öltep­pich erwiesen. Nach 10 Tagen erre­ichten die ersten Ölbrocken die Küste. Danach kamen die BPler auf die Idee eine Glocke auf das Loch zu setzen. Jedoch hatte dies zuvor noch keiner in dieser Tiefe versucht. Aber BP machte immer Hoff­nung und versprach hohe Erfol­gschancen. Jedoch musste nach einigen Tagen diese Strategie eben­falls aufgegeben werden, da die Prob­leme zu groß wurden. Eben­falls vergebens wurde ein Rohr in das Bohrloch einge­führt, um das Öl auf einem Schiff aufz­u­fangen.

Ende Mai wurde dann die Oper­a­tion “Top Kill” gestartet. Dabei sollte Schlamm und Zement mit hoher Geschwindigkeit in die undichten Stellen gepumpt werden. Doch die diese Methode wurde bislang nur an Land auspro­biert. Trotzdem bezif­ferte BP-Vorstandschef Tony Hayward die Erfol­gsaus­sichten mit dem “Top Kill” im Golf auf 60 bis 70 Prozent. Woher nimmt BP nur immer diese zu meist posi­tiven Zahlen? Bestimmt rechnet eine ganze Abteilung bei BP nur Wahrschein­lichkeiten aus, anstatt sich mal ernste, unkon­ven­tionelle, inno­v­a­tive Lösungen zu überlegen. Klar, auch diese Methode scheit­erte Anfang Juni.

Am Freitag meldete BP im Kampf gegen die Ölpest einen wichtigen Teil­er­folg. Nachdem das Unternehmen ein beschädigtes Steigrohr an dem offenen Bohrloch kappen konnte, gelang es in der Nacht auf Freitag, eine Absaug­glocke über dem Leck zu platzieren. Auch hier wird es wieder kost­bare Zeit kosten, um zu erfahren, ob diese Methode überhaupt Erfolg verspricht und in welchem Umfang der Ölaus­fluss eingedämmt werden konnte.

BP setzt mittel­fristig vor allem auf Entlas­tungs­bohrungen, die das Austreten des Öls stoppen sollen. Übrigens ist bis heute noch nicht abschließend klar wie viel Öl dort eigentlich austritt. Nach Angaben des nationalen geol­o­gis­chen Insti­tuts USGS liegen die Schätzungen mehrerer Regierung­sex­per­ten­teams zwis­chen 12.000 und 25.000 Barrel pro Tag. Das wären umgerechnet zwis­chen 1,9 Mio. und ca. 4 Mio. Liter Öl, die jeden Tag in den Golf von Mexiko strömen.

Aber was passiert danach? Ich gehe doch mal stark davon aus, dass irgend­wann das Loch dicht ist und wir aufatmen können. Aber was passiert mit BP? Die US-Regierung hat schon angekündigt, dass so einige Klagen auf BP zukommen werden und das dürfte eine Stange Geld kosten. Aber auch die Aufräu­mar­beiten, die Nachbesserungen auf anderen BP Plat­tformen und und und … dürfte ins Geld gehen. Und der Markt verar­beitet genau diese schwere Zeiten von BP schon jetzt, daher liefert die BP Aktie ein eindeutiges Indiz dafür, welche Bedeu­tung die Krise für den Konzern hat. Seit der Explo­sion ist der Wert des Konz­erns um rund 35 % oder auch 70 Milliarden Dollar geschmolzen. Da werden natür­lich direkt Übernah­megerüchte am Markt laut. Das muss man sich mal vorstellen, ein Konzern, der im letzten Jahr 14 Milliarden Dollar Gewinn erzielt hat, kommt in arge Bedrängnis, weil ein Loch sich nicht schließen lässt.

Um die Dimen­sion des Ausmaßes mal ein wenig besser einzuschätzen, habe ich diese inter­es­sante Webseite genutzt, um das ganze Ausmaß der Katas­trophe mal auf Deutsch­land zu übertragen. Es ist erschreckend, dass es von Hamburg bis Den Haag reicht.

Für Green­peace ist der gesamte Vorgang natür­lich auch sehr wichtig. Daher wurde ein Wettbe­werb ins Leben gerufen, indem ein neues Logo für BP gefunden werden soll. Also, an alle Grafik-Designer der Aufruf, verpasst BP ein neues Logo. Hier einige Beispiele aus der Flickr Galerie.

Außerdem gibt es ein großar­tiges, neues Plugin für den Firefox. Dort werden alle Erwäh­nungen von BP automa­tisch „verölt“. So sieht das aus, wenn man BP in Google eingibt.

Und schon wieder tritt eine wichtige poli­tische Figur zurück. Nach Roland Koch, jetzt auch Horst Köhler. Was ist denn da in der deutschen Poli­tik­land­schaft los? Am Montag um 14.00 Uhr trat ein geknickter Bunde­spräsi­dent vor die Kameras und trat mit sofor­tiger Wirkung zurück. Nach knapp einer Woche fragt sich nun ganz Deutsch­land, was ist da passiert? Es kann doch nicht nur das falsch verstandene Inter­view zum Afghanistan Krieg sein. Da muss doch mehr dahinter stecken, denn man kann doch nicht das höchste deutsche Amt einfach verlassen, nur weil die Medien Aussagen inter­pretieren und auf die Gold­waage legen, oder etwa doch? Nur einer könnte alle Speku­la­tionen beenden und die Wahrheit ans Licht bringen. Doch Köhler selbst schweigt nach dem abrupten Abgang.

Und dann wurde es hektisch, denn laut Verfas­sung muss inner­halb von 30 Tagen ein neuer Präsi­dent gewählt werden. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele SMS Merkel in den letzten Tagen schreiben und lesen musste. Erst sah es ja nach von der Leyen aus, dann am Donner­stag brachte sich wohl Wulff selber ins Rennen und wollte plöt­zlich den Job. Ich persön­lich frage mich jedoch. Warum? Denn mal ehrlich, eine poli­tisch erfol­gre­iche Karriere endet mit dem Amt des Bunde­spräsi­denten. Das war z. B. bei Johannes Rau und Richard von Weizsäcker der Fall. Ich glaube, dass es schwer sein wird, nach dem Bunde­spräsi­den­te­namt noch mal auf die aktive poli­tische Ebene zurück zu kommen. Daher kann es Merkel eigentlich nur recht sein Wulff nach Bellevue abzuschieben, da dieser immer als ihr gefährlich­ster, inner­parteilicher Gegner galt.

Doch was machen SPD und Grüne Mitte der Woche. Sie nominieren doch tatsäch­lich Joachim Gauck. Dieser ist zwar parteilos, aber hätte auch von der CDU vorgeschlagen werden können. Er ist bei sehr vielen Menschen (bis auf die Partei die Linke) für seine Stasi Aufar­beitung beliebt. Er verkör­pert sehr viel besser, die Überparteilichkeit, die ein Bunde­spräsi­dent mitbringen muss. Wulff dürfte auch in Zukunft immer als CDU-Mann wahrgenommen werden. Daher kamen auch schon unruhige Stimmen aus der CDU und FDP, so dass es dann doch bei der Wahl am 30. Juni span­nend werden dürfte, obwohl CDU/CSU/FDP 21 Stimmer mehr haben als die anderen.

Ich würde den Joachim wählen, da er mir sehr sympa­thisch ist. Das wirft dann wieder die Frage auf: Warum dürfen wir eigentlich nicht selber den Bunde­spräsi­denten wählen? Er soll uns doch repräsen­tativ nach Innen und Außen vertreten. Ich bin klar für eine direkte Wahl. Also Poli­tiker gebt uns doch die Chance selber zu entscheiden, wen wir haben möchten.

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Ein Kommentar

  1. Das Firefox Plugin ist ja großartig und kann man ohne schlechtes Gewissen als “Netzkunst” beze­ichnen. (Falls es das überhaupt gibt).Ich bin begeis­tert.

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